Nach dem Wahlgang noch einmal Wahlkampf
Bush hat Angst vor Hängepartie

US-Präsident George W. Bush und seine Frau Laura haben in Crawford in ihrem Heimatstaat Texas ihre Stimmen abgegeben. Nach seinem Gang an die Wahlurne sagte Bush, er hoffe, dass den Bürgern bei der Stimmenauszählung eine Hängepartie wie bei der Präsidentenwahl im Jahr 2000 erspart bleibe.

HB CRAWFORD/WASHINGTON. „Es ist sehr wichtig, dass es heute Nacht zu Ende ist. Der Blick der Weltöffentlichkeit richtet sich darauf, ob unsere großartige Demokratie funktioniert“, sagte der US-Präsident. Im Falle eines Sieges gegen seinen Herausforderer John Kerry wolle er „die Menschen zusammenbringen, ein Programm aufstellen, das Amerikas Sicherheit garantiert und den Wohlstand vergrößern.“

Nach dem Gang ins Wahllokal brach Bush zu seinem letzten Wahlkampfauftritt im Swing-State Ohio auf. Das Rennen in dem Bundesstaat an der Grenze zu Kanada gilt als offen. In der Geschichte der US-Präsidentenwahlen ist jedoch noch keinem Republikaner der Einzug ins Weiße Haus gelungen, ohne die Mehrheit der Bürger Ohios hinter sich zu haben. Seit dem Amtsantritt Bushs vor vier Jahren haben 230 000 Menschen in Ohio ihren Job verloren. Dennoch liegt Bush nach einer Umfrage des Instituts Zogby im Auftrag der Nachrichtenagentur Reuters in Ohio vor seinem Herausforderer.

Kerrys Glücksbringer-Jacke

Es war ein Kampf bis zur letzten Minute, ein furioser Endspurt, der beide Hauptmatadoren erschöpft, aber auch zufrieden mit sich selbst zurückließ. Sogar noch am Wahltag eilten der Republikaner George W. Bush und der Demokrat John Kerry in besonders heiß umkämpfte Staaten, um dort um die letzten, möglicherweise wahlentscheidenden Stimmen zu werben. Derweil bildeten sich bereits in vielen Bundesstaaten lange Warteschlangen vor den Wahllokalen - ein Zeichen für eine offenbar besonders erfolgreiche Wählermobilisierung.

Kerry rührte in Wisconsin die Trommeln, und sollte das nicht geholfen haben, so vielleicht die gelbe Jacke, die er trug: Sie sei sein Glücksbringer, hat er früher einmal verraten. Und da doppelt ja besser hält, löffelte der Senator eine Muschelsuppe, wie er das nach eigenen Angaben bei jeder - bisher stets erfolgreichen - Wahl seiner eigenen politischen Karriere getan hat.

Bush seinerseits legte nach seinem Wahlgang am frühen Morgen in Schlips und Anzug noch einem Wahlkampfstopp in Ohio ein, bevor er im Weißen Haus auf das Eintreffen der ersten Wahlergebnisse wartete. „Ich bin ganz ruhig“, hatte er nach Abgabe seiner Stimme in einem Feuerwehrhaus nahe seiner heimischen Ranch erklärt, aber das nahm ihm natürlich niemand ab. Würde Bush Wahlkampf-Kilometergeld erhalten, wäre er allein am Montag reich geworden: Am Vorabend der Wahl war er noch durch sechs Bundesstaaten gedüst und sank erst nach 19 Stunden auf den Beinen in die Kissen.

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