Nach Demonstrationen: Neue Welle der Gewalt in Kenia

Nach Demonstrationen
Neue Welle der Gewalt in Kenia

In Kenia sind erneut Menschen bei gewalttätigen Demonstrationen ums Leben gekommen. Trotzdem will die Opposition weiter gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl Ende Dezember protestieren. Laut UN sind inzwischen eine halbe Million Kenianer von den Auswirkungen der Gewalt im Land betroffen.

HB NAIROBI. Einen Tag nach Beginn von neuen gewaltsamen Demonstrationen in Kenia hat die Opposition am Donnerstag weitere Proteste angekündigt. Die Demonstrationen würden so lange anhalten, bis die Regierung eine gemeinsame Lösung anstrebe, erklärte ein Sprecher der Oppositionspartei Orangene Demokratische Bewegung (ODM). Die Protestaktionen verloren landesweit an Zulauf, es kam aber wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen.

Oppositionsführer Raila Odinga sagte, sieben Demonstranten seien am Donnerstag erschossen worden. „Die Regierung hat der Polizei einen Schießbefehl erteilt“, sagte Odinga vor Journalisten in der Hauptstadt Nairobi. Ein Polizeisprecher bestätigte hingegen nur, dass es zwei Tote gab. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AP wurde Zeuge, wie ein weiterer Bewohner eines Elendsviertels im Krankenhaus einer Schusswunde erlag.

In Mathare bewarfen mit Macheten bewaffnete Demonstranten die Polizei mit Steinen. Die schwerbewaffneten Beamten konterten mit Schlagstöcken und feuerten Tränengas auf die Demonstranten. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Sanitäter berichteten von Männern mit schweren Verletzungen durch Machetenschnitte. In der Stadt Eldoret im Westen des Landes feuerte die Polizei mit scharfer Munition Warnschüsse gegen Demonstranten. In der Stadt Kisumu, einer Hochburg der Opposition, waren Augenzeugen zufolge bereits am Mittwoch vier Menschen erschossen worden.

Odinga, der die vermutlich gefälschte Präsidentenwahl Ende Dezember nach amtlichen Angaben knapp verlor, hat zu dreitätigen Demonstrationen aufgerufen. Die Beteiligung war am ersten Tag geringer als erwartet, doch fanden sich am Mittwoch mehrere tausend Oppositionsanhänger ein, um dem Kundgebungsverbot der Regierung zu trotzen. Seit Beginn der Unruhen vor rund zwei Wochen sind schon mehr als 600 Menschen ums Leben gekommen.

Das Europäische Parlament forderte in einer Resolution eine Neuwahl in Kenia. Dies sei der einzige Ausweg, wenn eine glaubwürdige und faire Neuauszählung der Stimmen nicht möglich sei. Die Abgeordneten riefen die EU außerdem dazu auf, die Entwicklungshilfe für Kenia bis zu einer Lösung der Krise auf Eis zu legen. Die Resolution der Parlamentarier ist nicht bindend. Auch andere internationale Geldgeber erwägen ein Einfrieren der Hilfszahlungen für das ostafrikanische Land - diese machen sechs Prozent des laufenden Staatshaushalts aus.

Die Vereinten Nationen riefen zur Hilfe für die Opfer auf. Von den Auswirkungen der Gewalt im Anschluss an die Präsidentenwahl vom 27. Dezember seien 500 000 Menschen betroffen, sagte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, John Holmes, in New York. Um sie mit Nahrung, Unterkunft, Medizin und anderen lebenswichtigen Gütern zu versorgen, seien 42 Mill. Dollar (28,4 Mill. Euro) erforderlich. 250 000 Kenianer sind nach Angaben von Holmes aufgrund der Gewalt aus ihren Häusern geflohen. Weitere 250 000 seien auf andere Weise akut betroffen.

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