Nach Demonstrationen
Tote in Jemen und Syrien bei Demonstrationen

Die Gewalt in der arabischen Welt gegen Demonstranten hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Mindestens 46 Menschen sind nach Schüssen auf Demonstranten im Jemen gestorben. Erstmals gibt es nun auch Tote bei Protesten in Syrien.
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SanaaIm Jemen haben Sicherheitskräfte am Freitag in der Hauptstadt auf Zehntausende Demonstranten geschossen und dabei mindestens 46 Menschen getötet. Auch ein Journalist kam dabei ums Leben. Dutzende weitere seien verwundet worden, berichteten Ärzte. Die Schüsse sollen von Dächern und aus nahegelegenen Häusern abgegeben worden sein. Fluchtwege wurden von der Polizei mit brennenden Autoreifen versperrt, wie Augenzeugen berichteten.

Die Demonstranten hatten sich nach den Freitagsgebeten auf einem Platz nahe der Universität versammelt und den Rücktritt des seit 32 Jahren amtierenden Präsidenten Ali Abdullah Saleh gefordert. Auch in anderen Städten im Jemen wie Taiz und Adan demonstrierten Tausende. Mut haben ihnen die Erfolge von Protestbewegungen in Tunesien und Ägypten gemacht, die langjährige Machthaber stürzen konnten.

Die Schießerei begann Augenzeugen zufolge, als sich nach dem Freitagsgebet in der Nähe der Universität der Hauptstadt Sanaa eine Demonstration formieren wollte. Dabei gaben die Sicherheitskräfte zunächst Warnschüsse ab. Danach habe die Schießerei eingesetzt. Unklar war, welche Seite die Toten zu verantworten hatte. Den Zeugen zufolge kamen die Schüsse aus allen Richtungen.

Der bei der Demonstration getötete Fotograf Dschamal Al-Scharaabi habe für die Wochenzeitung Al-Masdar gearbeitet, teilte das in New York ansässige Committee to Protect Journalists (CPJ) mit. Er sei erschossen worden, als bewaffnete Männer auf Demonstranten gefeuert hätten. Es ist der erste bestätigte Todesfall eines Journalisten seit Beginn der Unruhen im Januar. Ein weiterer Fotograf sei durch einen Schuss in die Schulter verwundet worden. Er sei für den arabischen Dienst von BBC tätig gewesen. Nach tödlichen Schüssen auf Demonstranten war am Freitag im Jemen der Ausnahmezustand verhängt worden. Präsident Ali Abdullah Saleh bestritt, dass die Polizei auf die Menschenmenge geschossen habe. Nach Angaben des Innenministeriums kamen am Freitag in Sanaa 25 Menschen ums Leben, Ärzte sprachen sogar von 42 Toten. Das CPJ geht von 44 Toten aus.

Aus Protest gegen die Schießerei trat Tourismusminister Nabil Hassan al Fakih zurück. Er trat auch aus der Regierungspartei aus. Die Opposition erklärte, nach den Todesschüssen sei jede weitere Übereinkunft mit der Regierung ausgeschlossen. US-Präsident Barack Obama forderte, die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Saleh will erst 2013 abtreten und hat seinen Gegnern eine neue Verfassung mit mehr Rechten für das Parlament angeboten.

Die Demonstranten im Jemen fordern auch schon seit mehr als einem Monat den Rücktritt Salehs. Sicherheitskräfte und Anhänger der Regierung haben dabei mit zunehmender Gewalt versucht, die Proteste zu ersticken. Dabei setzten sie Tränengas, Gummigeschosse, Knüppel, Messer und Steine ein, aber auch scharfe Munition. Trotz der Gewalt hielten die Protestkundgebungen.

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