Nach den Anschlägen
Britische Ermittler bitten um private Aufnahmen

Die britische Polizei erhofft sich von privaten Aufnahmen der Tatorte der verheerenden Bombenanschläge Hinweise auf die Attentäter. Sprecher rief die Bevölkerung auf, den Ermittlern Fotos, Videos und Bilder von Fotohandys zu überlassen.

HB LONDON. Unter anderem beschäftigt die Fahnder, warum die Bombe in dem Doppeldeckerbus fast eine Stunde nach den drei fast gleichzeitigen Detonationen in der U-Bahn hochging. Noch immer offen war, ob es sich um Täter aus dem Ausland oder um Terroristen aus Großbritannien handelt. Drei Verdächtige, die am Flughafen Heathrow festgenommen wurden, hatten laut Polizei nichts mit den Anschlägen zu tun und sind wieder auf freiem Fuß.

Am Montag wurde das erste Todesopfer, eine 53 Jahre alte Frau, offiziell identifiziert. Davor waren Angehörige der bislang feststehenden 52 Todesopfer nur informell unterrichtet worden. 31 Menschen galten noch als vermisst, 56 wurden im Krankenhaus behandelt. Insgesamt waren bei den Anschlägen 700 Menschen verletzt worden. Die Bergung etlicher Leichen an einem der Unglücksorte unter dem Bahnhof King's Cross blieb schwierig: Hitze, Staub und Ungeziefer behinderten die Arbeiten in dem U-Bahn-Wrack.

London war am Montag vorsichtig zum Alltag zurückgekehrt. Viele Pendler, die nach den Attentaten vom Donnerstag der Arbeit ferngeblieben waren, fuhren erstmals wieder in die Innenstadt. Bei den Sicherheitskräften war die Terroralarmstufe nach Medienberichten so hoch wie nie. Es sei die zweithöchste Stufe, noch höher als nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter wahrscheinlich noch am Leben sind und neue Anschläge planen könnten.

Auch der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone fuhr wie immer mit der U-Bahn zur Arbeit. „Wir lassen nicht zu, dass eine kleine Gruppe Terroristen unser Leben ändert“, sagte er. Premierminister Tony Blair sagte in seiner ersten Erklärung im Unterhaus: „Die Anschläge wurden wahrscheinlich von islamischen Terroristen ausgeführt - von derselben Sorte, die auch schon für den Tod vieler Unschuldiger in Madrid, Bali, Saudi-Arabien, Russland und natürlich New York verantwortlich war.“ Die Fahndung nach ihnen sei eine der größten in der britischen Geschichte.

Der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, warnte davor, Muslime nach den Terroranschlägen als „Sündenböcke“ abzustempeln. In den ersten Stunden nach den Anschlägen in London am Donnerstag waren beim Dachverband Muslim Council of Britain 30 000 Hassbekundungen eingegangen. Bis Montag kam es zu Brandanschlägen und anderen Zwischenfällen in London, Telford, Leeds, Bristol und Birkenhead.

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