Nach den Anschlägen im Maghreb
El Kaida zielt auf „Al Andalus“

Der Bombenterror in Algerien und Marokko hat in Europa Sorgen vor neuen Anschlägen ausgelöst. Das Bekennerschreiben von Algier enthält eine direkte Drohung der El-Kaida-Terroristen an Spanien. In Frankreich herrscht wegen der anstehenden Präsidentenwahl Alarmstimmung.

MADRID. Am Mittwoch waren durch Terrorattentate in Algier 33 Menschen getötet worden. Einen Tag zuvor hatten sich in der marokkanischen Wirtschaftsmetropole Casablanca drei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und einen Polizisten mit in den Tod gerissen.

Das Bekennerschreiben von Algier fordert, die islamischen Gebiete „von Jerusalem bis Al Andalus“ zu befreien. „Al Andalus“ wurde die Iberische Halbinsel unter der arabischen Herrschaft bis zur Vertreibung der Mauren 1492 genannt. „Diese Drohung ist sehr ernst zu nehmen“, warnte Fernando Reinares, Sicherheitsexperte beim politischen Thinktank Real Instituto Elcano in Madrid. Nach seiner Überzeugung stellt der Zusammenschluss der Terrorgruppen in Nordafrika unter dem Dach der neu gegründeten Organisation El Kaida des Islamischen Maghreb eine neue Dimension des „Heiligen Krieges“ dar: „Die Attentate in Algier und Casablanca könnten die Vorboten einer Anschlagsserie im Süden Europas einschließlich Spaniens gewesen sein.“

„In den Zirkeln der Extremisten wird wieder verstärkt von der Rückeroberung der Iberischen Halbinsel gesprochen. Der Traum von Al-Andalus ist nicht aufgegeben“, sagt Islamismus-Experte Reinares. Mit „El Kaida des Islamischen Maghreb“ habe er jetzt eine effiziente Organisation aufgebaut.

So sieht es auch der spanische Ermittlungsrichter Baltasar Garzón, einer der Pioniere bei der Verfolgung islamistischer Terroristen in Europa: „Das Risiko Spaniens, Ziel eines neuen großen Anschlags zu werden, ist sehr hoch.“

Frankreich macht sich vor allem wegen der anstehenden Präsidentenwahl Sorgen. Der konservative Kandidat Nicolas Sarkozy versuchte zwar keine Panik aufkommen zu lassen, gibt jedoch zu, „dass die größte terroristische Gefahr für Frankreich derzeit aus Algerien kommt und dort ganz konkret vom Netzwerk der Salafisten, das viele Verbindungen in unser Land hat“. „Frankreich ist von Terrorakten bedroht“, schließt auch Innenminister François Baroin aus den Anschlägen in Algier. Unter anderem wegen des Kopftuchverbots an Frankreichs Schulen und der Kolonialvergangenheit haben die Islamisten Frankreich im Visier.

In Algerien selbst steht die Versöhnungspolitik des Staatschefs Abdelaziz Bouteflika samt einer Amnestie für reuige Terroristen vor dem Scheitern. Schon im Februar zeigte die auf mindestens 500 Mann geschätzte bisherige „Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf“ (GSPC) mit sieben fast gleichzeitigen Anschlägen auf Polizeistandorte logistische Fähigkeiten. Das war einige Monate nach dem „Treueschwur“ der algerischen Terroristen, die sich an El Kaida anlehnten und daraus eine neue Dynamik ziehen.

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