Nach den Anschlägen
„Terror einer neuen, erschreckenden Qualität“

Der schwere Terrorangriff auf Indiens Finanzzentrum versetzt dortige Manager in Schock, belastet die Börsenaussichten kurzfristig und schadet Bombays Image als einer der für Ausländer sichersten Großstädte in Schwellenländern weltweit.

DELHI. Indiens Wirtschaftsminister Kamal Nath verströmte Zuversicht, dass langfristig orientierte Investoren über das Blutbad hinwegsehen werden. "Der Zustrom von Direktinvestitionen wird sich nicht abschwächen", beteuerte er. "Diese Dinge geschehen ja auch in New York und anderen Metropolen." Seine Einschätzung, die Terroristen verfolgten keine wirtschaftlichen Ziele, wird allerdings kaum geteilt. "Diese gezielte Attacke auf Ausländer hat unabsehbare Folgen für das Investitionsklima und die Tourismusindustrie", meint Apurva Shah, Leiter des Aktienbrokers Prabhudas Lilladher. Wie bei vielen Banken und Großkonzernen blieben dessen Büros geschlossen. Auch Bombays Börsen öffneten nicht. Die nahe des Epizentrums der Anschläge gelegene Zentralbank setzte den Währungs- und Anleihehandel aus.

Wenn die Märkte wieder öffnen, rechnen Analysten mit kurzfristigen Rückschlägen. Denn der Schock kommt zur Unzeit: Wie andere Schwellenländer ist Indien in den Sog der internationalen Finanzkrise geraten. Auslandsanleger haben dieses Jahr eine Rekordsumme von 14 Mrd. Dollar alleine aus Aktien abgezogen und das Börsenbarometer Sensex damit um 56 Prozent abstürzen lassen. Längerfristig dürften die Kurse wie nach anderen Krisen wieder von wirtschaftlichen Fundamentaldaten bestimmt werden.

Experten finden es zu früh für ein Urteil darüber, ob sich diese dauerhaft eintrüben. "Kurzfristig wird das Risikobewusstsein von Investoren zunehmen", meint ein Versicherungsmanager, der schon viele Schwellenländer-Krisen durchgemacht hat. Führungskräfte würden Indienbesuche aufschieben, Veranstaltungen könnten abgesagt werden. Aber es bestehe keine Gefahr eines bleibenden Schadens: "Nach einer kurzen Phase des Schocks wird Indiens Wirtschaftsdynamik alle Terrorsorgen wieder überstrahlen, genau wie in der Vergangenheit auch."

Für den Risiko-Analysten Arun Subramanian haben die Anschläge zwar eine neue, erschreckende Qualität. "Aber Indien geht deswegen nicht über Nacht zur Hölle", meint er. "Seine Wirtschaft steht auf einem soliden Fundament, das nicht so leicht beschädigt werden kann wie es die Terroristen gerne hätten."

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