Nach den Ausschreitungen
Frankreich übt sich in Ursachenanalyse

Mit einem umfassenden Maßnahmenkatalog will die französische Regierung die Ursachen der Unruhen in ihrem Land beheben. Doch vor der Bekämpfung der Symptome müssen diese erst einmal gefunden werden. Dies soll nun angegangen werden.

HB PARIS. Ministerpräsident Dominique de Villepin sagte zu, bereits 100 Millionen Euro an gestrichenen Finanzhilfen für lokale Projekte wieder freizugeben. Innenminister Nicolas Sarkozy erklärte, Frankreich müsse seine Minderheiten mehr in die Gesellschaft integrieren und religiösen Extremismus bekämpfen.

Die Polizei erklärte die Unruhen in den französischen Städten faktisch für beendet. Die Lage habe sich normalisiert. Präsident Jacques Chirac beriet im Kabinett über seinen Vorschlag, eine freiwillige Einsatzgruppe zu gründen, die Jugendliche ausbilden und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur französischen Gesellschaft vermitteln soll. Villepin kündigte hierfür zusätzliche Finanzmittel an. „Es ist unerlässlich, dass jeder einen Platz hat und eine Chance erhält“, sagte er vor dem Senat, wo er ein Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen vorstellte. Unter anderem soll das Lehrlingsalter auf 14 Jahre gesenkt werden.

Auf einer Konferenz zum Thema „Frankreich und der Terrorismus“ sagte Sarkozy, das Land müsse die Ursachen der Frustration bekämpfen, die von islamischen Fundamentalisten bereits genutzt werde, um auch Franzosen zu rekrutieren. Kommende Woche will der Innenminister ein umfassendes Anti-Terror-Gesetz im Parlament einbringen. Dabei geht es insbesondere um eine ausgedehnte Nutzung der Videoüberwachung sowie von Gebrauchsdaten bei Mobiltelefonen und des Internet.

In der Nacht zu Donnerstag gingen nach Polizeiangaben 98 Autos in ganz Frankreich in Flammen auf. Dies bedeute eine Rückkehr zur Normalität. Seit Beginn der Unruhen setzten vor allem Jugendliche rund 9000 Fahrezeuge in Brand, 3000 Personen wurden festgenommen. Es waren die schlimmsten Unruhen in Frankreich seit fast 40 Jahren.

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