Nach den Londoner Anschlägen
Attentäter mit Video-Hilfe identifiziert

Aufnahmen von Überwachungskameras haben der Londoner Polizeibehörde Scotland Yard entscheidende Hinweise auf die Attentäter geliefert, die sich am Donnerstag in drei U-Bahnen und einem Bus der britischen Hauptstadt in die Luft sprengten.

HB LONDON. In den vergangenen Tagen hatten sich die Beamten die Bänder von 2500 Kameras in London angeschaut. Der Durchbruch gelang schließlich, als eine Familie ihren Sohn als vermisst meldete. Seine Leiche und persönliche Papiere wurden in dem Doppeldeckerbus gefunden, in dem am Tavistock Square eine Bombe detoniert war.

Dieser Mann fand sich dann auf den Aufnahmen einer am Londoner Bahnhof King's Cross installierten Überwachungskamera wieder - gemeinsam mit drei weiteren Männern. Offensichtlich waren sie gemeinsam angereist. Die Uhr zeigte 8.30 Uhr an, 20 Minuten, bevor die Bomben explodierten.

In jedem der Züge und eben in dem Bus fanden die Kriminaltechniker Papiere und Gegenstände, mit denen sie über weitere Ermittlungen am Dienstag schließlich die Terroristen ermitteln konnten. Wie die "Times" schreibt, handelt es sich Söhne pakistanischer Einwanderer im Alter zwischen 19 und 30 Jahren, die in Großbritannien geboren und der Polizei vorher nicht aufgefallen seien. Drei der Männer seien Freunde gewesen und stammten aus Leeds, der vierte habe in Luton gewohnt, einer Stadt 40 Kilometer nördlich von London.

Freunde eines der Terroristen sagten dem Fernsehsender ITV News Channel, er sei in den vergangenen sechs Monaten nach Afghanistan und Pakistan gereist. Dies legt den Schluss nahe, dass er dort ein Trainingscamp des Terrornetzwerkes El Kaida besucht hat.

Nach der Identifizierung der Attentäter hatte die Polizei in Leeds sechs Häuser durchsucht. Außerdem stellten die Beamten am Bahnhof ein Auto sicher, mit dem die Attentäter möglicherweise bis hierher fuhren und das sie dann stehen ließen, um mit dem Pendlerzug weiterzufahren. Laut "Times" wurde in dem Auto Sprengstoff gefunden.

Den Ermittlungs-Erfolg hatte Andy Hayman von der Londoner Polizei vor wenigen Tagen vorausgesagt: "Die Attentäter sind auf ihrer Fahrt zur und von der U-Bahn ganz sicher von Kameras eingefangen worden. Weil sie nicht maskiert waren, werden wir sehr gute Bilder von ihnen bekommen, anhand derer sie identifiziert werden". In Großbritannien sind Videoüberwachungssysteme der Polizei weit mehr verbreitet als in Deutschland, zu Tausenden hängen die Anlagen allein in London an Bahnhöfen, U-Bahn- Stationen oder wichtigen Plätzen und Kreuzungen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%