Nach den Terroranschlägen
Ägypten nimmt Al-Dschasira-Journalisten fest

Der Fernsehsender Al Dschasira hat wieder einmal feststellen müssen, dass seine Tätigkeit in arabischen Ländern riskant sein kann: Der Büroleiter in Ägypten ist festgenommen worden. Offenbar missfiel den Mächtigen in Kairo die Berichterstattung nach den jüngsten Anschlägen.

HB KAIRO. Der Journalist Hussein Abdel Ghani meldete sich nach der Festnahme über sein Mobiltelefon bei seinem Sender. „Es war eine Polizeientführung - gegen jedes Recht“, sagte er. Sein Anruf wurde von dem Sender ausgestrahlt. Abdel Ghani sprach nach eigenen Angaben aus dem Büro des Staatsanwalts in Heliopolis, einem Vorort von Kairo, in den er nach seiner Festnahme gebracht worden sei.

Kollegen berichteten, Abdel Ghani sei von der Polizei in Dahab auf der Sinai-Halbinsel festgenommen worden, wo sich am Montagabend drei Terroranschläge mit 24 Toten ereignet hatten. Abdel Ghani berichtet seit 1997 für Al Dschasira aus Ägypten und ist einer der bekanntesten arabischen Fernsehreporter. Die Kollegen des Reporters mutmaßten, möglicherweise sitze er in Haft, weil er am Mittwoch über einen Schusswechsel zwischen unbekannten Angreifern und der Polizei im Osten berichtet hatte. Der Angriff war später vom ägyptischen Innenministerium dementiert worden.

Beduinen als Sündenböcke?

Innenminister Habib el Adli erklärte unterdessen, es gebe Hinweise, dass es sich bei den Attentätern von Dahab um Beduinen handele und dass es Verbindungen zu früheren Anschlägen gebe. Er bezog sich damit auf die Anschläge in Taba und Scharm-el-Scheich, bei denen 2004 fast hundert Menschen getötet wurden.

Die ägyptischen Behörden haben zwar schon wiederholt Angehörige der auf dem Sinai lebenden Beduinen für die Terroranschläge verantwortlich gemacht. Internationale Sicherheitsexperten vermuten aber eher Gruppen mit Verbindungen zur Terrororganisation Al Kaida dahinter. Das Verhältnis der Beduinen zur ägyptischen Obrigkeit ist angespannt, sie fühlen sich benachteiligt und verfolgt. Nach den früheren Anschlägen waren zahlreiche Beduinen festgenommen worden.

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