Nach den Unruhen
Thailand: Der Winter des Monarchen

Ein Verteilungskampf degradiert Thailand vom Tigerstaat zur Bananenrepublik. Das Volk wartet auf ein klärendes Wort von König Bhumibol. Doch der greise Monarch lässt sich nicht blicken.

BANGKOK. Um fünf Uhr legt sich Schweigen über Bangkoks historisches Zentrum, selbst das Röhren der Tuk Tuks erstirbt. Die königliche Entourage ist auf dem Weg von der Residenz im Norden zum Großen Palast, um den 81. Geburtstag von König Bhumibol Adulyadej zu feiern. Seine Majestät fährt einen blass-gelben Rolls Royce Silver Cloud Baujahr 1956, sein Hofstaat folgt in einem Dutzend roter BMWs, Baujahr 2008. In Thailand herrscht Klassenkampf und das ganze Volk wartet gespannt auf ein Wort des greisen Monarchen, das einen Ausweg aus der blutigen Konfrontation weist – aber der Graben scheint sich auch durch das Königshaus zu ziehen.

Auf dem Ratchadamnoen Boulevard haben sich rund 3 000 Polizisten und Soldaten aufgestellt. Sie stehen auf der rechten Straßenseite, um alle Blicke auf sich zu ziehen. Doch der König mit den verrutschten Gesichtszügen ist nicht weltfremd, er hätte auch nach links geschaut. Dort steht das Gebäude des Premierministers, und es sieht aus, als sei ein Tsunami darüber hinweg gerast. Müll, Paletten und LKW-Reifen liegen wirr durcheinander. Reste einer 197tägigen Besetzung, die in der Blockade von Bangkoks Flughäfen mündete und Thailand vor den Augen der Welt zur Bananenrepublik degradierte.

Bhumibol, der auf den allgegenwärtigen Plakaten oft im hellblauen Anzug mit einer Kamera um den Hals zu sehen ist, wäre diese Ironie aufgefallen. Jene Sicherheitskräfte, die rechts den Staat so martialisch präsentieren, hatten monatelang weggesehen, als der Mob Regierungsbüros zerstörte und 300000 Flugreisende zu Geiseln machte.

Hätte, wäre – denn der König sitzt nicht im Rolls Royce, sondern liegt daheim im Krankenbett. Seine Tochter hatte ihn am Vortag des Geburtstages, an dem er sich seit 62 Jahren jedes Mal an das Volk gewandt hatte, abgemeldet. Der König sei „ein wenig“ krank, er habe Halsschmerzen. Ausgerechnet.

Der wie ein Gott verehrte König lässt sein Volk in der schwersten politischen und wirtschaftlichen Krise seit Jahrzehnten allein. Auch die Experten sind verdattert. „Ich sehe keinen Ausweg“, sagt Supavud Saicheua, Managing Director von Phatra Securities, Thailands bekanntester Broker. Keine der beiden Seiten kümmere sich um die wirtschaftlichen Folgen, keine sei zu einem Kompromiss bereit – „und beide scheinen gleich stark zu sein.“ Ein perfektes Patt, wo doch gerade jetzt eine schlagkräftige Regierung gefordert wäre. Die Flughafenbesetzung habe Thailand Vertrauen im Ausland gekostet, Investoren seien verschreckt, warnt Supavud. Noch vor wenigen Wochen habe er das Wirtschaftswachstum für 2009 auf schlappe 2,5 Prozent taxiert. Nun sei allenfalls noch ein Prozent zu erwarten.

Seite 1:

Thailand: Der Winter des Monarchen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%