Regierung Hollande verdirbt es sich mit Superreichen

Nach Depardieu-Wegzug
Regierung Hollande verdirbt es sich mit Superreichen

Die Regierung in Paris fürchtet einen massiven Imageverlust durch die Polemik rund um den Wegzug von Filmstar Gérard Dépardieu. Gleichzeitig sorgen Präsident Hollande und seine Minister für weitere Irritationen.
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ParisFrankreichs Regierung rast mit Volldampf in eine Auseinandersetzung um die Auslandsfranzosen, deren Tragweite sie nicht abgesehen hat. Der Streit um den Wegzug des Filmstars Gérard Dépardieu nach Belgien, der anfangs wie eine Posse aus der Rubrik Vermischtes wirkte, hat sich völlig verselbständigt.

Am Dienstagabend äußerte sich erstmals die für alle im Ausland lebenden Franzosen zuständige Ministerin Hélène Conway-Mouret: „Ich bedauere die Polemik um den angekündigten Wegzug von Gérard Dépardieu.“ Sie vermische „steuerliches Exil und die Arbeit der Franzosen im Ausland“. Das sei „verletzend für unsere 200.000 Mitbürger, die in Belgien leben, wie für die zweieinhalb Millionen Franzosen, die ihren Wohnsitz außerhalb von Frankreich haben“.

Unklar blieb, auf wen sich die Ministerin mit dem Verweis auf die Polemik bezog. Begonnen hatte der Streit mit einer spontanen Bemerkung von Premier Jean-Marc Ayrault: Der wurde während eines Termins von TV-Reportern gefragt, was er vom Steuer-Exil Depardieus halte und sagte, das habe „schon etwas Armseliges“.

Staatspräsident Francois Hollande reagierte erst mit einem sanften Rüffel für den Premier – man müsse immer auf seine Wortwahl achten. Doch dann setzte er selber noch eins drauf und drohte, er werde möglicherweise die Doppelbesteuerungs-Abkommen mit Belgien, Luxemburg und der Schweiz ändern. Ziel sei es, den Wegzug aus steuerlichen Gründen zu erschweren. Da liegt es nahe, dass sich viele Auslandsfranzosen verletzt fühlen, weil sie in den Verdacht geraten, allein aus steuerlichen Gründen im Ausland zu arbeiten. So gibt es etwa in London eine sehr große Kolonie von Franzosen, die im Finanzsektor arbeiten. Ohne sie könnten die französischen Großbanken kaum ihre Präsenz in der Londoner City sichern.

Dienstag griff auch der belgische Außenminister Didier Reynders in die Debatte ein und machte endgültig aus dem innerfranzösischen Scharmützel ein europäisches. Reynders sagte, er verwahre sich gegen die Darstellung der französischen Regierung, Belgien biete reichen Franzosen aktiv steuerliches Asyl an: „Ich wehre mich dagegen, dass Belgien zum Sündenbock gemacht wird“, sagte Reynders im Interview mit der Zeitung „Le Figaro“. Es sei nicht wahr, dass sein Land seit langem alles dafür tue, um französische Steuerzahler anzulocken.

Reynders nutzte allerdings gleichzeitig die Chance und hieß alle Steuerflüchtlinge willkommen: „Wenn weitere Franzosen nach Belgien kommen wollen, habe ich überhaupt nichts dagegen“, sagte er – und fügte süffisant hinzu: „Seit Jahren hat Frankreich aus freien Stücken ein Steuersystem gewählt, das seine Bürger aus dem Land treibt.“ Ganz Europa spricht wieder über Frankreichs Reichensteuer. Dabei hatte die Regierung gehofft, sie könne die von der 75-Prozent-Steuer auf Einkommen über einer Million Euro angefachte Debatte runterdimmen.

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Superreiche ziehen seit Jahren in die Schweiz oder nach London

Kommentare zu "Regierung Hollande verdirbt es sich mit Superreichen"

Alle Kommentare
  • Die OECD (Sitz in Paris) hat eine konfuse Definition der Armutsgrenze: Wer weniger Einkommen hat als 60% des Medians, gilt als arm. Das Paradox aus dieser Definition ist, daß durch den Wegzug der Gutverdienenden der Median sinkt und damit auch die Armutsgrenze, wodurch wiederum ein geringerer Prozentsatz der Bevölkerung darunterfällt. Das Land steht damit besser da und der sozialen Gerechtigkeit ist gedient.
    Es ist stark zu vermuten, daß den französischen ENA-Politikern dieser Sachverhalt nicht verborgen geblieben ist und sie jetzt in konzertierter Aktien die letzten Spitzenverdiener aus dem Land treiben, um die Statistik zu schönen.
    Achtung: Wenn D nächstes Jahr nicht richtig wählt, tritt dieselbe Situation ein.
    Honi soit qui mal y pense!

  • Wer mit viel Polemik eine Neiddebatte führt und allen "Reichen" und Unternehmern unterstellt, dass sie das Vermögen zu Unrecht und auf Kosten der Armen erworben haben (und nicht etwa durch Leistung oder gute, begehrte Produkte), der darf sich doch jetzt nicht wundern, dass sich einige der Angefeindeten abwenden. - aber das scheint Hollande jetzt wohl auch nicht Recht zu sein...

  • Tja, Blödheit wird von den Klugen bestraft. Was bedeutet dass es in Deutschland vor Blödheit nur so strotzt und die Klugen längst weg sind. Oder wer ist heute noch so bescheuert und zahlt 60% Steuern und Abgaben für nichts und wieder nichts? Sind ja noch einige :D

  • Ursache und Wirkung. Nicht mehr und nicht weniger.

    Schöne Grüße aus Florida, Herr Gabriel und Herr Trittin, Frau Nahles und Frau Roth. Und danke, dass Ihre Pläne für Deutschland mich schon vor zwei Jahren zum Umzug in die Sonne bewogen haben.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • @D.O.pusi
    Ich kenne eine Menge Menschen die wesentlich weniger Leisten als andere und trotzdem ein 20 faches verdienen als die die mehr arbeiten.
    Ich kenne gute bis sehr gute Produkte die kein Geld erwirtschaften und schrott der gekauft wird wie blöd.
    Gut zu verdienen und vor allem richtig reich zu werden, und damit meine ich nicht nen lumpigen Porsche per Leasing zu zahlen, hat sehr viel mit Glück und Voraussetzungen zu tun die wiederrum auf Glück beruhen.
    Würde man Intelligenz und Können als Grundlage der Bewertung von der Höhe des Einkommens heranziehen bin ich sicher hätten wir eine massive Umverteilung des Vermögens.

  • Depardiere ein Superreicher.
    fein.
    Hollande hat es sich mit noch gar niemandem verdorben außer mit Schreiberlingen, die Hollande Scheiße finden.
    Im Gegenteil steht anzunehmen, dass unsere brandenburgische diplomphysikerin den auch nicht mag.
    Und so wird Europa aus der Uckermark geführt.
    Fein.
    Vor sowas kann man doch nur den Hut ziehen...

    Na superiore aber auch...

  • Es lässt sich nicht abstreiten, dass Glück und Beziehungen eine sehr wichtige Rolle spielen und zwar in einem Maße das dem Fortschritt der Gesellschaft im Sinne der Leistungsmotivation keinen Gefallen tun.

    Was wir heute haben ist kein fairer Kapitalismus sondern Vetternwirtschaft auf dem Weg in die Sowjet-Liga
    Ich werde es mir auch 3 mal überlegen ob ich eines Tages ein Unternehmen gründe, so gut meine Idee vielleicht auch sein mag und so fähig meine Mitstreiter

  • @1Pr0digy
    Glück und Beziehungen hat es schon immer gegeben und lassen sich nicht ausrotten. Glücklicherweise!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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