Nach der Bush-Attacke
Schuhwerfer von Bagdad entfacht Parlamentsstreit

Ein Schuhwurf spaltete die politische Elite in Bagdad: Der Journalist Muntasser al-Saidi, bekannt als der Schuhwerfer von Bagdad, hat das irakische Parlament in einen erbitterten Dauerstreit gezogen.

HB BAGDAD. „Es herrscht große Zwietracht, die Kontroverse wird sich bis ins neue Jahr hineinziehen“, sagte die Abgeordnete Samira al-Mussawi von der regierenden Schiiten-Allianz UIA am Dienstag in Bagdad. Seit dem Vortag ringen die Fraktionen um einen Beschluss zur Entlassung des Parlamentspräsidenten Mahmud al- Maschhadani aus seinem Amt. Der als ruppig verschrieene sunnitische Politiker hatte sich in der Vorwoche hinter Al-Saidi gestellt und die Volksvertretung in einer turbulenten Sitzung als das „mieseste Parlament der Welt“ beschimpft.

Al-Saidi hatte am 14. Dezember US-Präsident George W. Bush während dessen Abschiedspressekonferenz in Bagdad mit Schuhen beworfen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, am 31. Dezember wird ihm der Prozess wegen „Aggression gegen ein fremdes Staatsoberhaupt“ gemacht. Seine ungewöhnliche Protestaktion und die anschließende Festnahme mit Schlägen und Prügeln löste eine massive Solidarisierungswelle im Irak und in den arabischen Ländern aus.

Der Schuhwurf spaltete allerdings die politische Elite in Bagdad. Die regierenden Schiiten- und Kurden-Parteien, die ihre Macht dem US- Einmarsch im Jahr 2003 und damit Bush verdanken, verurteilen die Tat und verlangen eine exemplarische Bestrafung Al-Saidis. Die oppositionellen Sunniten und die Anhänger des radikalen Schiiten Muktada al-Sadr sehen in der Aktion des schiitischen Journalisten dagegen einen „legitimen Widerstandsakt“.

Das irakische Parlament ist jedenfalls durch den Zwist um die vom Schuhwerfer ausgelöste Schimpftirade Al-Maschhadanis blockiert. Am Dienstag versäumte es die Volksvertretung, einen Beschluss über den künftigen legalen Status von knapp 6000 nicht-amerikanischen fremden Soldaten im Land zu fassen. Deren Anwesenheit wird mit dem Auslaufen des Uno-Mandats zur Jahreswende ungeregelt bleiben, falls das Parlament bis dahin nicht handelt.

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