Nach der Eliminierung der Söhne
USA nehmen Saddam ins Visier

Die Suche nach dem gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein hat mit dem Tod seiner beiden Söhne Udai und Kusai nach US-Einschätzung neuen Schwung erhalten. „Es wird nicht lange dauern, bis wir auch den Vater kriegen“, sagte der US-Zivilverwalter für den Irak, Paul Bremer. Nahost-Experten bezeichneten es indes als entscheidend, einer skeptischen Öffentlichkeit im Irak und der arabischen Welt zu beweisen, dass Udai und Kusai in dem sechsstündigen Feuergefecht am Dienstag im nordirakischen Mossul tatsächlich getötet worden seien.

Reuters BAGDAD. Obwohl einige Experten ein Nachlassen der beinahe täglichen Angriffe auf US-Truppen im Irak erwarteten, kamen am Mittwoch abermals zwei US-Soldat ums Leben. Seit dem offiziellen Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai sind damit 41 Soldaten getötet wurden.

US-Präsident George W. Bush bezeichnete den Tod des 39-jährigen Udai und seines zwei Jahre jüngeren Bruders Kusai als positive Nachricht, die dem irakischen Volk nochmals deutlich mache, dass das alte Regime nicht zurückkehren werde. Der britische Premierminister Tony Blair, dessen Regierung im Streit um die Rechtfertigung des Irak-Krieges unter Druck steht, sprach von einem „großen Tag für den neuen Irak“.

Von Hubschraubern unterstützt hatten rund 200 US-Soldaten nach Militärangaben am Dienstag eine Villa in Mossul angegriffen und die Brüder getötet, die zentrale Rollen im Machtapparat Saddams innehatten. Zuvor hatten die USA einen Hinweis erhalten. Der Informant dürfte nun zumindest einen Teil der Belohnungen von jeweils 15 Mill. Dollar erhalten, die für die beiden Brüder ausgesetzt sind. Auf die Ergreifung Saddams steht eine Belohnung von 25 Mill. Dollar.

Skepsis im Irak

In Bagdad hatte die Nachricht vom Tod der Saddam-Söhne am Dienstagabend Freudenschüsse ausgelöst. Dennoch zeigten sich viele Iraker skeptisch. „Ich glaube nicht, dass sie tot sind, weil Saddam seinen Söhnen niemals erlauben würde, gemeinsam zu reisen“, sagte ein Lebensmittelhändler in Mossul.

Der Kommandeur der US-Bodentruppen im Irak, Generalleutnant Ricardo Sanchez, hat angekündigt, er werde am Mittwoch zwingende Beweise vorlegen, dass Udai und Kusai unter den vier Toten seien, die verbrannt aus der Villa geborgen wurden. Bei den anderen beiden Toten handelt es sich nach Angaben von US-Vertretern um einen Enkel Saddams und einen Getreuen Udais.

Nahost-Experten werteten den Tod der Saddam-Söhne als wichtiges Signal. Er zeige, dass die USA den Irak unter Kontrolle hätten, sagte Jonathan Alterman, Direktor des Nahost-Programms des Center for Strategic and International Studies. „Es ist eine Demonstration, dass die USA Saddam finden können und werden.“

Auswirkungen auf Guerilla-Krieg

Der Nahost-Experte Gary Sick von der Columbia University sagte, Udai und Kusai seien mit ihren Getreuen eine treibende Kraft der Angriffe auf US-Truppen gewesen. „Wenn sie weg sind, wird die Opposition weniger gut organisiert und finanziert sein“, sagte er. Auch der Chef des Irakischen Nationalkongresses, Ahmad Chalabi, sagte der Tod der beiden werde „beträchtlich dazu beitragen, die Zahl der Angriffe auf Soldaten der Koalitionstruppen zu reduzieren.“

Andere Experten sahen jedoch keinen engen Zusammenhang mit dem Guerilla-Krieg im Irak. „Die Guerillas kämpfen für sich selbst, nicht unbedingt für einen Rückkehr Saddams zur Macht“, sagte Kenneth Katzman vom Forschungsdienst der Library of Congress. „Sie wollen die US-Besatzung beenden und ein von den Sunniten geführtes nationalistisches arabisches Regime einsetzen.“

Der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater der USA, Stephen Hadley, äußerte sich ebenfalls zurückhaltend. „Es ist eindeutig politisch wichtig - es ist wichtig, dem irakischen Volk die Botschaft zu schicken, dass dieses Regime nicht wiederkommt“, sagte Hadley. Es könne aber auch Auswirkungen auf den Militäreinsatz geben. „Wir wissen es einfach nicht.“

Udai führte unter Saddam die Fedajin-Miliz, deren versprengte Kämpfer von den USA für Angriffe auf US-Truppen verantwortlich gemacht werden. Sein jüngerer Bruder Kusai galt indes als engerer Vertrauter Saddams und als sein möglicher Nachfolger. Er kommandierte die irakische Elitetruppe, die Republikanische Garde.

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