Nach der Festnahme
Karadzic vor dem Untersuchungsrichter

Nach jahrelanger Flucht ist der wegen Kriegsverbrechen angeklagte ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gefasst worden. Das ganze Verfahren gegen ihn sei eine „Farce“, sagte der 63-Jährige dem Untersuchungsrichter.

HB BELGRAD. Der früher korpulente Mann sei abgemagert und verweigere die angebotene Nahrung, sagte sein Anwalt Svetozar Vujacic am Dienstagmorgen in Belgrad. Ein Gerichtsmediziner hat Karadzic noch in der Nacht untersucht und ihm eine stabile gesundheitliche Verfassung bescheinigt, sagte der Anwalt weiter.

Einzelheiten über die Verhaftung von Karadzic, die nach Darstellung des serbischen Nationalen Sicherheitsrates am Montagabend in Belgrad erfolgt sein soll, sind weiter unklar. Karadzic behauptete nach Darstellung seines Anwaltes, er sei bereits am Freitagabend verhaftet worden. Man habe ihn aus einem Linienbus geholt, der zwischen Neu-Belgrad und der nahe gelegenen Gemeinde Batajnica verkehrt.

Ihm sei eine Kappe übers Gesicht gezogen worden, so dass er die Umstände seiner Verhaftung nicht kenne. Seitdem sei er „in einem Raum“ festgehalten worden.

Der Untersuchungsrichter hatte Karadzic zugesagt, diesen Behauptungen nachzugehen. Die serbischen Behörden wollen sich am Vormittag zu den Details der Verhaftung äußern.

Zuvor hatte der der serbische Präsident Boris Tadic am späten Montagabend mitgeteilt: „Karadzic wurde gefunden und befindet sich in Haft“. Karadzic zählte zusammen mit seinem früheren Militärchef Ratko Mladic zu den meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrechern des Balkankonflikts. Mladic ist indes weiter flüchtig.

Der ehemalige Präsident wurde vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag vor allem wegen des Massakers in Srebrenica gesucht, bei dem 1995 etwa 8 000 Muslime ermordet wurden. Das Massaker von Srebrenica ist das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Karadzic ist wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 angeklagt. 1997 tauchte er unter.

Die Europäische Union (EU) hatte die Kooperation Serbiens mit dem Uno-Tribunal in Den Haag zur Voraussetzung für Beitrittsverhandlungen gemacht. Die EU begrüßte die Festnahme. Sie zeige die Bereitschaft der neuen Regierung Serbiens, voll mit dem Tribunal zu kooperieren, sagte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn in einer ersten Reaktion. Die serbische Führung sah sich immer wieder Vorwürfen ausgesetzt, eine Festnahme Karadzics nicht ernsthaft voranzutreiben.

Auch Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich erleichtert über die Festnahme. „Dies ist ein historischer Augenblick für die Opfer, die 13 Jahre darauf gewartet haben, dass Herr Karadzic vor Gericht gestellt wird“, erklärte Ban. Die Festnahme sei ein „entscheidender Schritt für das Ende der Straflosigkeit“ derjenigen, die für die Verbrechen im Balkan-Konflikt verantwortlich gewesen seien.

Ein Sprecher der Nato bezeichnete die Festnahme als „gute Nachrichten für die internationale Gemeinschaft“. In in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo, die mehrere Jahre auf Kommando von Karadzic belagert wurde, strömten bosnische Muslime auf die Straßen, um die Gefangennahme zu feiern.

Seite 1:

Karadzic vor dem Untersuchungsrichter

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%