Nach der Festnahme Karadzics
Serbien: „Wir wollen in die EU“

Kurz nach der Festnahme des ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic hat sich die serbische Regierung zu Wort gemeldet. Ihre Botschaft: „Es ist uns mit unserer Zukunft in der EU sehr ernst“. Viele Menschen zogen jubelnd und singend auf die Straßen.

HB BRÜSSEL/BELGRAD. Serbiens Außenminister Vuk Jeremic bezeichnete die Verhaftung des bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic als Teil einer „sehr ehrgeizigen europäischen Tagesordnung“ der serbischen Regierung. „Es ist uns mit unserer Zukunft in der EU sehr ernst“, sagte er am Dienstag am Rande eines EU-Außenministertreffens in Brüssel. „Wir haben das gestern demonstriert: Wir wollen Mitglied der EU sein. Wir wollen ein regionaler Akteur sein und zur regionalen Stabilität beitragen.“

Jeremic sagte, die neuer serbische Regierung sei der Stärkung des internationalen Rechts sehr verpflichtet: „Sowohl was unsere Zusammenarbeit mit dem Tribunal in Den Haag angeht als auch was die Verteidigung unserer Souveränität über das Kosovo betrifft.“

Bosnische Muslime hatten mit Autokorsos und Hupkonzerten in der Nacht zum Dienstag in Sarajewo die Festnahme des wegen Kriegsverbrechen gesuchten Karadzic gefeiert. Die Nachricht von der Festnahme verbreitete sich am Montagabend wie ein Lauffeuer in der bosnischen Hauptstadt. Viele Bewohner zogen jubelnd und singend auf die Straßen.

Die EU begrüßte am Dienstag die Festnahme Karadzics. Es handele sich um einen wichtigen Schritt für eine dauerhafte Versöhnung in der Region. Die Festnahme zeige die Entschlossenheit der neuen serbischen Regierung, vollständig mit dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zusammenzuarbeiten, erklärte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vor Beginn des Außenministertreffens in Brüssel.

Barroso sprach von einer „sehr positiven Entwicklung“. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana bezeichnete die Festnahme als Quelle „immenser Befriedigung“ und lobte die Behörden in Belgrad. „Dies ist ein guter Tag für die Gerechtigkeit auf dem Balkan.“

Für eine Annäherung Serbiens an die Europäische Union hat Brüssel eine vollständige Kooperation Belgrads mit dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal zur Bedingung gemacht. Dazu zählen eine Auslieferung Karadzics und seines Militärkommandanten Ratko Mladic, die für Kriegsverbrechen während des Bosnien-Kriegs verantwortlich gemacht werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Verhaftung des bosnischen Serbenführers als „gute Nachricht für den gesamten Balkan“. „Die Opfer dürfen wissen: Massive Menschenrechtsverletzungen bleiben nicht ungestraft“, sagte Merkel in einer am Dienstag in Berlin verbreiteten Erklärung. „Es ist ein wesentlicher Schritt zu Gerechtigkeit, Frieden und Aussöhnung in der Region.“ Serbiens neuer Präsident Boris Tadic habe damit „die europäische Berufung Serbiens unterstrichen“.

„Ich glaube, das ist ein Meilenstein in der Geschichte der Beziehungen zwischen Serbien und der Europäischen Union“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Brüssel. „Ich bin wirklich froh“, sagte der Minister. „Ich kann für die ganze Bundesregierung sagen, dass wir erleichtert sind, dass endlich nach vielen Jahren die Verhaftung von Radovan Karadzic aus Serbien gemeldet werden konnte.“

Die Verhaftung zeige, dass Serbiens Präsident Boris Tadic und dessen neue Regierung „es ernst meinen mit Stabilität für Serbien, mit innerer Aussöhnung für Serbien“. Der Schritt unterstreiche ebenso wie die Parlaments- und Präsidentenwahlen in Serbien, „dass die Mehrheit der Serben den Weg nach Europa wünscht“. Steinmeier sagte, er hoffe auf eine rasche Überstellung an das Uno-Tribunal. „Und wir hoffen natürlich, dass auf diesem Wege Serbien weiter nach Kriegsverbrechern sucht, die bisher noch in Freiheit sind.“

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