Nach der Mordattacke in London
Brutaler Terror am hellen Tage

London rätselt über den ersten Terrormord auf britischem Boden seit 2005. Premier Cameron ruft zur Besonnenheit auf und warnt davor, dem Islam die Schuld zuzuschieben. In der Nacht flogen die ersten Steine auf Moscheen.
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LondonPolitiker und Kommunalführer riefen die Briten nach der brutalen Mordattacke auf einen britischen Soldaten am Mittwoch in Woolwich zur Besonnenheit und Ruhe auf. „Was passiert ist, hat uns allen Übelkeit verursacht. Wir haben auf unseren Fernsehern und in unseren Zeitungen Bilder gesehen, die zutiefst schockierend sind“, sagte Premier David Cameron nach einer Sitzung seines Krisenstabs vor der Downing Street. Dies sei nicht nur ein Anschlag auf Großbritannien und seine Lebensart gewesen. „Dies war auch ein Verrat am Islam und den islamischen Gemeinden“. Einer der besten Wege, den Terrorismus zu schlagen sei, „mit unserem normalen Alltag weiterzumachen. Das ist, was wir alle tun sollten“, schloss der Premier.

Am morgen hatte Londons Bürgermeister Boris Johnson die gleiche Linie vorgegeben. „Eines muss absolut klar sein. Es wäre falsch, die Religion des Islam für diesen Anschlag verantwortlich zu machen“, sagte Johnson Ebenso falsch wäre, irgend eine Beziehung zwischen diesem Mord und der Sicherheits- und Außenpolitik unseres Landes zu ziehen. „Schuld ist einzig und allein das verwirrte und geistesgestörte Denken der Männer, die diese Tat begangen haben“. Grund von Johnsons Intervention: Auf mehrere Moscheen in Südengland wurden in der Nacht Steine geworfen. Dutzende von Anhängern der rechtsnationalistischen „English Defence League“ waren am Mittwoch teilweise vermummt zum Tatort gezogen. Nach einer Konfrontation mit der Polizei zogen sie ins Pub und sangen nationalistische Lieder.

An der Sicherheits- und Alarmstufe für London und Großbritannien hat sich nichts geändert – sie liegt seit Monaten bei „Substanziell“ – der dritten Stufe von fünf - „hohe Möglichkeit“ eines Anschlags . Londoner wurden aber aufgefordert, wie gewohnt ihrem Leben nachzugehen – „alles andere wäre, genau das zu tun, was die Terroristen wollen“, so der frühere Innenminister Lord Reid. In Sky News sagte Graham Wilders, ein Mann, der Augenzeuge der Tat wurde und unmittelbar am Tatort wohnt: „Was bringt es, sich in seinem Haus zu verstecken. Besser, man macht wie gewohnt mit seinem normalen Leben weiter. Das ist, wie wir Briten sind“.

Das muss wohl auch für die Zehntausenden von deutschen Fußballfans gelten, die am Samstag zum Finale der Champions League in London erwartet werden. An der Sicherung der Spiele durch ein starkes Aufgebot Londoner und einreisende deutsche Polizisten und „Spotter“ arbeitet die Polizei seit Wochen. Nach dem Woolwich Anschlag wurden Vorsichtmaßnahmen lediglich im Umkreis von Kasernen verstärkt. Soldaten wurden aufgefordert, sich vorerst nicht in Uniform in der Öffentlichkeit zu zeigen. Was das Fußballstadion angeht, erinnert die Polizei daran, dass das Mitführen von Waffen und scharfen Gegenständen verboten ist und dieses Verbot mit verschärften Personenkontrollen und Durchsuchungen im Umkreis des Stadions durchgesetzt wird. Den Polizeimaßnahmen liegen die für die olympischen Spiele ausgearbeiteten Pläne zugrunde, bei denen bereits die Möglichkeit eines Anschlags von Einzeltätern ohne organisatorischen Hintergrund eine wichtige Rolle spielte. Fans müssen vor dem Spiel nun damit rechnen, dass die Kontrollen noch schärfer werden.

Kommentare zu " Nach der Mordattacke in London: Brutaler Terror am hellen Tage"

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  • @Rheingold

    Danke für ihre Unterstützung.

    Ich bin auch erstaunt über die Kommentarlöschung.Sehr erstaunt sogar.

    Zumal an meinen Kommentaren nun inhaltlich nichts auszusetzen war, ich beschrieb nur Boris Pistoris neue Sicherheitspolitik.

    Besonders merkwürdig erscheint die Löschung vor dem Hintergrund, dass meine Kommentare zuerst wegen FEHLENDER LINKS entfernt wurde. Ich hatte Frau Brandenburger ohne Angabe einer Quelle zitiert. Und nun werden diese zuerst von mir verlangten Links als Begründung zur erneuten Löschung herbeigezogen.

    Ich könnte es auch verstehen, wenn ich die Kommentarfunktion wirklich als Werbeplattform gebraucht hätte. Die Links benutze ich aber nur zur Belegung meiner Aussagen, wie es sich gehört.

  • Warum darf der HB-Artikel "Schweres Geschütz gegen Hassprediger" nicht kommentiert werden ???

  • Dieser Akt ist eigentlich untypisch für (islamistische)Extremisten - Interviews geben und auf die Polizei warten statt Selbstmord oder Flucht. Aber: "Allah ist groß" zu rufen gibt doch eine Richtung.
    Wollen die beiden als westliche/englische islamistische "Helden" in die Geschichte eingehen?!?

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