Nach der Obduktion
Tote Geisel in „grauenhaftem Zustand“

Die Obduktion der toten deutschen Afghanistan-Geisel in Köln hat die Legende vom natürlichen Tod des Bauingenieurs offenbar nachhaltig erschüttert: Die Leiche soll in einem „grauenhaften Zustand“ sein, was einen „furchtbaren Tod“ erahnen lasse.

HB KÖLN/KABUL. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, wurde dem Mann zunächst in beide Knie und dann in den Rücken geschossen. Das Blatt berief sich auf Sicherheitskreise. Dies lasse einen furchtbaren Tod erahnen, da es keinen Sinn ergebe, einen bereits toten Menschen in die Knie zu schießen, zitiert das Blatt einen ungenannten Spitzenbeamten.

Nachdem der Tod des Mannes aus Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bekannt geworden war, hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärt, der Ingenieur sei an Erschöpfung gestorben. Nichts weise auf einen Mord hin. Allerdings wurde bereits damals bestätigt, dass die Leiche eine Schusswunde aufwies.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Sonntag, sie könne den Bericht nicht kommentieren. Der Leichnam war am Donnerstag in Köln obduziert worden. Ein endgültiges Untersuchungsergebnis wird in der ersten Augustwoche erwartet. Ein Mitarbeiter des Rechtsmedizinischen Instituts in Köln, in dem die Leiche untersucht wird, sagte der Zeitung: „Um die Todesursache zu klären, brauchen wir eine genauere Auswertung. Dafür werden unter anderem Gewebeproben analysiert und die Verletzungen durch Röntgenaufnahmen untersucht.“

Nach Angaben der Sprecherin vom Sonntag bemüht sich der Krisenstab im Außenministerium weiter intensiv um die Freilassung des zweiten entführten deutschen Bauingenieurs. Man stehe nach wie vor in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung. Der Bauingenieur war am 18. Juli gemeinsam mit seinem Kollegen verschleppt worden. Im Bemühen um die Freilassung der zweiten Geisel verhandelt die Bundesregierung laut „Bild am Sonntag“ mit örtlichen Stammesfürsten, hinter denen nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden aber die radikalislamischen Taliban stünden.

Angehörige und Freunde machten sich wegen der Dauer der Entführung große Sorgen um den Gesundheitszustand des Mannes. Sein deutscher Geschäftspartner sagte der Zeitung: „Der Rudi ist zwar ein robuster Kerl, aber er ist recht korpulent und leidet unter Bluthochdruck, braucht regelmäßig seine Medikamente.“ In zehn Tagen habe der Mann seinen Partner in Süddeutschland besuchen wollen, schreibt das Blatt. Der Entführte habe noch etwa ein Jahr in Afghanistan arbeiten und anschließend endgültig nach Deutschland zurückkehren wollen.

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