Nach der Parlamentswahl

Zehntausende gegen Putin auf der Straße

In ganz Russland sind Menschen zu einem Protesttag gegen angebliche Wahl-Manipulationen auf die Straße gegangen. Es sind die größten Demonstrationen seit Ende der Sowjetunion. Oppositionelle glauben an einen Wendepunkt.
Update: 10.12.2011 - 15:43 Uhr 21 Kommentare

In den Straßen von Moskau

MoskauRund 50.000 Regierungsgegner haben nach Angaben der Organisatoren in Moskau gegen mutmaßliche Fälschungen bei der russischen Parlamentswahl protestiert. Angemeldet war die Kundgebung nur für 30.000 Menschen. Auch nach Beginn der genehmigten Kundgebung strömten am Samstag Tausende auf den Bolotnaja-Platz in der Nähe des Kremls - bei Schneefall und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt.

Der Platz im Zentrum von Moskau war teilweise völlig überfüllt. Auch in anderen Landesteilen kamen Menschen zu Protestkundgebungen zusammen. Es waren die größten Demonstrationen seit mehr als einem Jahrzehnt in Russland.

In Moskau sprach die Polizei von etwa 25.000 Demonstranten - die Demonstranten schätzten die Teilnehmerzahl allerdings auf mehr als 100.000. Dort protestierten alte und junge Menschen friedlich gemeinsam. Viele Teilnehmer hatten weiße Schleifen an ihre Kleidung geheftet und trugen weiße Blumen. Auf Schildern forderten sie den Rücktritt von Regierungschef Wladimir Putin und die Freilassung politischer Gefangener wie des Ex-Ölmanagers Michail Chodorkowski. Landesweit waren die Proteste vor allem über Onlinenetzwerke organisiert worden.

Wegen des Massenandrangs sei das Mobilfunknetz am Versammlungsort auf einer Insel im Fluss Moskwa immer wieder gestört, teilte der Telefonanbieter MTS nach Angaben des kremlkritischen Internetportals kasparov.ru mit. Die Belastung entspreche der am Silvesterabend.

„Heute ist ein glücklicher Tag“, sagte der Regierungskritiker und frühere Regierungschef Michail Kasjanow. „Wenn hier heute 100.000 Menschen sind, sind es morgen eine Million!“ Dies könne zu einem Wendepunkt der russischen Politik werden. „Wir haben kein unabhängiges Gerichtswesen, es gibt keine Meinungsfreiheit“, sagte der Protestteilnehmer Albert Jussupow. „All dies zusammen schafft eine Situation, in der Menschen zum Protest gezwungen sind.“

In mindestens 15 anderen Städten von der Pazifikküste im Osten bis zum Südwesten des Landes kam es zu Protesten. In Wladiwostok demonstrierten mehrere Hundert Menschen gegen Putin und die Regierungspartei Einiges Russland, die bei der Wahl am vergangenen Sonntag ihre Zweidrittelmehrheit verlor, dennoch aber alleine weiterregieren kann. Die Demonstranten riefen „Putin ist eine Laus“, einige von ihnen hielten ein Banner, auf dem das Wappen von Einiges Russland karikiert wurde. Darauf war zu lesen: „Die Ratten müssen gehen.“

Die Polizei nahm Dutzende Demonstranten zum Teil brutal fest
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21 Kommentare zu "Nach der Parlamentswahl: Zehntausende gegen Putin "

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  • @naschfreudiger
    Sebstverständlich kann man in diesem Zusammenhang auf China hinweisen.Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich die kommunistischen Kader dort anders verhalten, als die Putinisten in Russland. Ich bin weiß Gott kein besonderer Freund von Putin, glaube allerdings nicht, dass bei einem Machtwechsel, die neuen Machthaber auf Bereicherungen verzichten würden, wenn sie denn die Möglichkeit dazu hätten.
    Putin passt der US-amerikanischen Außenpolitik nicht hinsichtlich der Iran-Frage, deshalb will sie ihn loswerden. Es geht um die Aufstellung amerikanischer Rakten und die Antwort der Russen auf diese Maßnahme. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Genau Russland ist ein Riesenland aber kein Riesenstaat.

  • allerdinks... Recht habeb sie

  • Bravo ussucks! ...und übrigens allen die auch so gut informiert sind.
    Und ihnen mollepop muss ich wirklich sagen, ihre Erkenntnisse sind erbärmlich.
    Seit Jahren versuchen israelische und amerikanische Kräfte die Trutzburg Kreml zu knacken und auch unter ihre Kontrolle zu bekommen.
    Das ist ihnen bis zum heutigen Tag nicht gelungen, sodass sie auch zukünftig noch keinen Zugriff auf die einzigartigen Waffensysteme Russlands haben.
    Wem verdanken wir das? Putin und seinen Seilschaften.
    Es wäre für die freiheitlich Denkenden und Handelnden von übel wenn die US Präsidentenmarionette und ihren Hintermännern das gelingen würde.
    Und wer hier denkt es gehe dabei um Demokratie dessen Ereignishorizont befindet sich noch am Anfang des 19. Jahrhunderts.
    Zeigen sie mir doch einmal hier die Demokratie.
    Unser System heißt Corporateokratie. Die Corporates haben die Macht und wer das noch nicht verstanden hat lebt in der Nachrichtensteinzeit. Definitiv.

  • Naja Russland ein Riesenstaat?
    Russland hat genau soviele Einwohner wie Deutschland und Frankreich zusammen mehr nicht.

  • Höchstwahrscheinlich sollen sich die Russen ein Beispiel an den Deutschen nehmen die ruhig und arbeitsam den Weg zum Schafott antreten.

  • @Rheinschwimmer
    "...Wahrscheinlich ist er überhaupt kein Demokrat aber er vertritt in der gegenwärtigen historischen Phase die Interessen Russlands und nicht irgendwelche anderen."
    #
    Demokratie hin, China her... was sollen solche Vergleiche hier?
    Auch Ihre "in der gegenwärtigen historischen Phase" kann ich nur als eine ausgewucherte Phrase verstehen.
    Putin hat, wenn jemals überhaupt!, das vitale Anliegen Russlands nur im ersten Jahr seiner Regentschaft beachtet als es darum ging nicht die Kontrolle über den vom Russlands Machtelite gewollten und entsprechend geschürten Chaos zu verlieren. Danach stand für diese Leute die persönliche Bereicherung und Machterhaltung im Vordergrund, und zwar um jeden Preis!
    Der nachdenklicher bzw. gebildeter, oder auch bereister Teil der Russen hat Zeit genug gehabt, um dieses miese Spiel mit dem einst in Deutschland wirkenden Tschekisten Putin zu durchschauen.
    Diese Einsichten sind unumkehrbar geworden, sie werden mit Sicherheit immer stärker... sei dem es wird wieder ein Totalitarismus eingeführt, der weit über den z. Zt. "nur" zur Hälfte praktizierten hinausgeht.

  • In Russland muss es vor allem darum gehen, Oligarchen und Multimillionäre zu enteignen und nach Sibirien zu verbannen, also jenen Abschaum, der sich in den letzten 20 Jahren auf Kosten des russischen Volkes bereichert hat.

  • "us gesteuerte provokateure"

    Tss, tss, tss.
    Vielleicht aber auch von Alien beeinflusste oder von Mark Zuckerberg persönlich durch unterschwellige Botschaften über Facebook. Wie kann man so einen Anti-US-Quatsch verbreiten. Nur weil ein hilfloser Putin so einen lächerlichen Mist in den Medien verbreitet? Ich würde mich mit solchen dümmlichen Behauptungen nicht abgeben. Sowas kommt nur von machtgeilen Politikern oder von Menschen, die glauben, dass Putin kein korrupter, machtversessener Politiker ist.

  • Komische Leute hier...

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