Nach der Revolte
Die Generäle beherrschen Ägypten

Seit dem Sturz der Monarchie gilt Ägyptens Armee das Rückgrat der Machthaber. Nun hält sie alle Fäden alleine in der Hand. Derzeit demonstrieren die Generäle Einigkeit mit den Forderungen der Demonstranten.
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KairoSeit Freitagabend halten die Generäle in Ägypten die Fäden in der Hand. Die Geschicke des Landes lenkt der Oberste Rat der Streitkräfte. An seiner Spitze steht Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi, zeitlebens ein kompromissloser Gefolgsmann des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak.

Vor der dramatischen Endphase der Revolution am Donnerstag und Freitag war das geheimnisumwitterte Gremium bisher nur zweimal im ägyptischen Fernsehen zu sehen gewesen: 1967 und 1973 während der Kriege mit Israel.

„Das Militär und wir sind eins“, hatten die Demonstranten tagelang skandiert, seit die Armeeführung durch einen Sprecher verkünden ließ, die Anliegen des „großen ägyptischen Volkes“ seien legitim und man werde nicht auf die Demonstranten schießen. Kurz vor seinem weichen Putsch am Freitag legte sich das Militär dann im „Kommuniqué Nummer 2“ öffentlich fest, für einen gewaltfreien, demokratischen Übergang zu sorgen. Die Armee versprach Änderungen der Verfassung, freie Wahlen sowie die Aufhebung des Ausnahmezustands, „wenn die gegenwärtige Krise überwunden ist“. Und „ehrenhafte“ Demonstranten würden nicht vor Gericht gestellt.

Seit dem Sturz der Monarchie 1952 ist Ägyptens Armee das Rückgrat der Macht. Alle Präsidenten kamen bisher aus ihren Rängen. Auch wenn sich die Streitkräfte stets diskret und verschwiegen geben, sie sind keineswegs ein monolithischer Block. Unter den Offizieren der mittleren Ränge gärt es seit langem.

„Mubaraks Pudel“ nennen sie in ihren Kasinos offen und verächtlich Armeechef und Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi, wie ein geheimes Wikileaks-Protokoll aus dem Jahr 2008 berichtet. Tantawi sei inkompetent, in der Truppe herrsche eine „Kultur des Kadavergehorsams“, und die Armee befinde sich unter seiner Führung im Niedergang, lautete die Kritik. Geboren am 31. Oktober 1935, studierte der Feldmarschall Militärwissenschaft, war dann Militärattache in Pakistan und später Kommandeur der Präsidentengarde. An den Kriegen 1956, 1967 und 1973 nahm er als Infanterieoffizier teil, ebenso wie sein von ihm rückhaltlos verehrter Chef Hosni Mubarak.

Trotzdem steht der umstrittene 75-Jährige jetzt an der Spitze der Junta, die in den nächsten Wochen und Monaten die Geschicke Ägyptens steuert. Mit ihm am Tisch sitzen auch der Oberkommandierende Sami Hafez Enan, Luftwaffenchef Reda Mahmoud Hafez Mohammed sowie Marinechef Mohab Mohammed Hussein Mamish.


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