Nach der Sexaffäre
Kehrt Strauss-Kahn in die Politik zurück?

Nach der Einstellung des Verfahrens gegen den früheren IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn haben in Frankreich Spekulationen über seine Rückkehr in die Politik begonnen. Doch nicht jeder ist von der Idee begeistert.
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ParisStrauss-Kahn solle selbst bestimmen, wann und wie er sich positionieren wolle, sagte der sozialistische Präsidentschaftsbewerber François Hollande am Dienstagabend. Die Sozialistische Partei (PS), der „DSK“ angehört, beginnt am Wochenende mit dem Vorwahlkampf.

Strauss-Kahn galt monatelang als aussichtsreichster möglicher PS-Kandidat für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. In Umfragen lag er stets vor allen anderen Bewerbern und auch vor Amtsinhaber Nicolas Sarkozy. Mit seiner Festnahme Mitte Mai wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines New Yorker Zimmermädchens zerschlugen sich allerdings die Hoffnungen auf das höchste Staatsamt.

„Man muss ihm Zeit lassen und auch die Freiheit, die Augenblicke und die Arten des Eingreifens zu bestimmen“, sagte Hollande vor Journalisten. Die PS müsse derweil ihre Arbeit machen. „Die Sozialisten sind weiter bei der Arbeit“, sagte auch die Bewerberin Ségolène Royal. Die PS hält am Wochenende ihr traditionelles Treffen zum Ende der Sommerferien ab, mit dem sie den Vorwahlkampf einleitet. Bei der parteiinternen Vorwahl im Oktober gilt nun Hollande als Bewerber mit den besten Chancen.

Strauss-Kahn, der die Bewerbungsfrist wegen des US-Verfahrens verstreichen ließ, könnte einen der anderen Bewerber unterstützen. Doch die Kandidaten wüssten, „dass sie sehr viel mehr zu verlieren als zu gewinnen haben, wenn sie ihn an ihrem Wahlkampf beteiligen“, schrieb die regierungsnahe Zeitung „Figaro“ am Mittwoch. Die Zeitung „Midi Libre“ bezeichnete „DSK“ als eine Art heiße Kartoffel, die keiner in den Händen halten wolle, „ein Elefant, der den brüchigen Porzellanladen zertrümmern könnte“.

Offiziell hatten alle sozialistischen Parteigrößen bereits am Montag erleichtert auf die bevorstehende Einstellung des Verfahrens reagiert. Die sozialistische Lokalpolitikerin Anne Mansouret, deren Tochter Tristane Banon den früheren französischen Finanzminister wegen eines Vergewaltigungsversuchs angezeigt hat, äußerte sich „schockiert“ über die positiven Reaktionen ihrer Parteifreunde. „Ich bin morgens, mittags und abends empört“, sagte Mansouret. Die Parteispitze halte es offenbar für normal, dass „eine der größten Persönlichkeiten des Planeten“ mittags im Hotel mit einem Zimmermädchen Sex habe.

Der New Yorker Richter Michael Obus hatte am Dienstagabend entschieden, das Strafverfahren gegen Strauss-Kahn einzustellen. Dieser sollte am Mittwoch von den US-Behörden seinen Pass zurückbekommen und könnte damit in seine Heimat zurückkehren.

Die US-Frauenorganisation NOW kritisierte die Entscheidung. „Dieser grobe Justizirrtum unterstreicht die Fehler einer Gesellschaft, die sexuelle Gewalt hinnimmt, indem sie den Fehler und die Schande den Opfern zuweist“, erklärte NOW. Das Zimmermädchen

Nafissatou Diallo, mit dem Strauss-Kahn laut den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Sex in einer Hotelsuite hatte, hat noch eine Zivilklage gegen den früheren IWF-Chef laufen.

Strauss-Kahns Anwälte sehen dem Zivilverfahren jedoch gelassen entgegen. Sein Mandant habe „keinerlei Absicht“, der Klägerin Geld zu zahlen, sagte Anwalt Benjamin Brafman der französischen Zeitung „Le Parisien“.

 

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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