Nach der US-Abstufung: „Den Börsen droht ein Ausverkauf“

Nach der US-Abstufung
„Den Börsen droht ein Ausverkauf“

Die Ratingagentur Standars&Poor's stuft die US-Bonität zurück - und sorgt damit für diplomatische Verstimmungen zwischen den USA und China. Anleger zittern vor der Reaktion der Märkte.
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BerlinDer Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, erwartet nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) einen Ausverkauf an den Börsen. „Das wird die Verunsicherung an den Märkten noch weiter treiben“, sagte der Ökonom. 

Die S&P-Entscheidung sei „ein weiterer Schlag ins Gesicht der Weltkonjunktur“. Sie zeige zugleich, „dass die Ratingagenturen als Brandbeschleuniger wirken. Mit einer solchen Herabstufung wird die Gefahr noch verschärft“, erläuterte Horn. 

Die Börse in Saudi-Arabien war der erste große Handelsplatz weltweit, der auf die Nachricht von der US-Herabstufung reagieren konnte. Nach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's stürzten die Kurse ab. Bis zur Schließung am Samstagabend fiel der saudi-arabische Leitindex TASI um 5,46 Prozent auf 6073,44 Punkte. Alle anderen wichtigen Börsenplätze waren wegen des Wochenendes geschlossen.

Der Würzburger Ökonom und Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat trotz der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit die finanzielle Schlagkraft der Vereinigten Staaten von Amerika betont. „Die USA können nicht insolvent werden. Das Risiko des Zahlungsausfalls ist gleich null, weil eine starke Notenbank im Hintergrund steht, die Anleihen aufkauft“, sagte Bofinger.

Trotzdem drohen sich Beziehungen der USA mit China zu verschlechtern. China schlägt ungewohnt aggressive Töne an. „Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen“, kommentierte eine regierungstreue Nachrichtenagentur. Wenn die USA weitere Nackenschläge verhindern wollten, müssten sie ihre „riesigen Militärausgaben und aufgeblähten Sozialausgaben“ beschneiden. Zwar drückte Peking nur aus, was in den USA und in der Welt viele denken - doch der Ton erinnert fatal an die Verbalattacken aus der Zeit des Kalten Krieges. 

Die Absicht des größten Gläubigerland der USA ist klar. Peking verliert die Geduld. Gigantische 1,15 Billionen US-Dollar hat das Reich der Mitte in amerikanische Schatzanleihen investiert. Bereits seit Monaten stichelt Peking immer mal wieder gegen den Dollar. Die Zeit, das die Amerikaner allein die Leitwährung stellen, nähere sich dem Ende. Jetzt wird es für die USA ernst. 

Zwar stufte die „New York Times“ die Herabstufung eher als eine „symbolische“ Aktion ein, deren konkrete Folgen derzeit noch alles andere als klar seien - doch die knallharte Reaktion aus Peking lässt nichts Gutes ahnen. 

Praktisch bis zur letzten Minute hatte Washington versucht, die Herabstufung zu verhindern. Bereits am Freitagnachmittag hatte S&P der Regierung die Hiobsbotschaft zukommen lassen, die offizielle Verkündung wurde vorsorglich auf den Abend verschoben - die Börsen rund um die Welt hatten geschlossen. 

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Das Timing für die Abwertung könnte schlechter nicht sein

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  • Ja, wenn unabhängige Rating-Agenturen die Wahrheit sagen, werden sie als Brandbeschleuniger beschimpft. Es wird sich wohl nie ändern, lieber glauben wir einer schmeichelnden Lüge, als der unverblümten Wahrheit. Die USA ist im jetzigen Moment eher mit einer unregierbaren Demokratie zu vergleichen. Der gesunde Menschenverstand hat sich lange aus der Politik verabschiedet, das muss kurz nach der Intelligenz gewesen sein. Dieses System von Machtgeschiebe zwischen Demokraten und Republikanern lässt dem Wähler nur, sich entweder die Pest oder die Cholera auszusuchen. Wir rollen unaufhaltsam auf eine ökonomische und ökologische Katastrophe zu, dafür muss man nun wirklich kein Hellseher oder selbsternannter Wirtschaftsexperte sein.

    Peter Echevers

  • Armes dummes Deutschland. Die roten Fahnen wehen ueberall und Ihr merkt das nicht. Farbenblind(gruen-rot).

  • Bitte noch anzumerken, dass der TASI-Index Donnerstag und Freitag nicht gehandelt werden.

    Daher entsprechen die 5% Verfall zum Großteil dem Einbruch der Börsen diese Woche. Also nicht unnötig Panik schüren und besser recherchieren.

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