Nach der Verhaftung des früheren bosnischen Serbenführers
Karadzic hatte sich perfekt getarnt

Der erst nach mehr als zehn Jahren auf der Flucht festgenommene frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hatte sich nach Darstellung der serbischen Behörden eine fast perfekte Tarnung zugelegt.

HB BELGRAD. Er habe sein Aussehen mit langem weißen Haar und einem weißen Vollbart sowie einer Brille von Grund auf verändert, sagte der für die Zusammenarbeit mit dem Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zuständige serbische Minister Rasim Ljajic am Dienstag in Belgrad.

Zuletzt habe Karadzic in einer privaten Arztpraxis in Belgrad gearbeitet. Er habe sich mit „alternativer Medizin“ beschäftigt und sei wegen seiner Tarnung nicht entdeckt worden, sagte Ljajic. Der Gesuchte habe einen gefälschten Personalausweis auf den Namen Dragan Dabic besessen. Ljajic zeigte eine Fotografie von Karadzic, die ihn in dunkler Kleidung, mit schulterlangen weißen Haaren, einem weißen Vollbart und einer Brille zeigt.

Karadzic sei am Montagabend „in der Umgebung von Belgrad“ verhaftet worden, berichtete der Staatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic. Die Enttarnung Karadzics sei im Zuge der Suche nach dem ebenfalls flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Ratko Mladic möglich geworden.

Polizei und Geheimdienste hätten die Helfershelfer von Mladic observiert und seien auf Karadzic gestoßen. Die Spezialkräfte der Geheimdienste hätten zugegriffen, als sich Karadzic von einem Unterschlupf zu einem neuen Versteck begeben wollte.

Das Haager Uno-Tribunal wirft seit mehr als zehn Jahren gesuchten Karadzic Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vor.

Nach Darstellung des Tribunals wurde er in dieser Zeit von Helfershelfern in der serbischen Armee, in der Politik und im Geheimdienst gedeckt. Die in diesem Jahr gestürzte Regierung des nationalkonservativen Vojislav Kostunica soll eine Verhaftung von Karadzic verhindert haben. Die seit zwei Wochen amtierende Nachfolgeregierung unter Führung pro-europäischer Parteien hatte dagegen die Überstellung Karadzics an das Tribunal in Den Haag versprochen.

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