Nach der Waffenruhe
Israel schickt Bodentruppen in den Gazastreifen

Fünf Stunden lang ruhten die Waffen im Gazastreifen. Nun ist der Kampf heftiger als zuvor entbrannt. Israel schickt Bodentruppen. Palästinensische Medien berichteten von heftigem Artilleriebeschuss im Gazastreifen.

Jerusalem/Tel Aviv/Gaza/New YorkZehn Tage nach Beginn einer Offensive im Gazastreifen hat Israel auch Bodentruppen in das Palästinensergebiet geschickt. Es werde im Norden, Süden und Osten des Küstenstreifens operiert, sagte der israelische Militärsprecher Arye Shalicar in der Nacht zum Freitag. Die Armee mobilisierte für den Einsatz 18.000 weitere Reservisten – damit stehen knapp 70.000 Soldaten für die Offensive zur Verfügung.

Palästinensische Medien berichteten von heftigem Artilleriebeschuss von Zielen im Gazastreifen. Eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen in der Nacht zum Freitag hat bereits über 20 Todesopfer gefordert. Etwa 20 Palästinenser wurden nach Angaben der Rettungsbehörden in Gaza getötet. Erstmals seit Beginn der Offensive in dem Palästinensergebiet vor elf Tagen kam auch ein israelischer Soldat ums Leben. Die Armee teilte am Freitag mit, er sei bei Kämpfen im Norden des Gazastreifens getötet worden.

Die Zahl der Toten seit Beginn der Offensive vor elf Tagen stieg nach Angaben der Rettungsbehörden am Freitag auf 258. Insgesamt seien 1980 Menschen bei israelischen Bombardements verletzt worden. Nach dem Scheitern von Verhandlungen über eine Waffenruhe mit der radikal-islamischen Hamas hatte Israel in der Nacht zum Freitag Bodentruppen in da Palästinensergebiet geschickt. Nach Angaben des israelischen Rundfunks wurden zwei Soldaten bei Kämpfen im Gazastreifen verletzt.

Die Bodenoffensive solle ein begrenzter Einsatz sein, betonte der israelische Armeesprecher. Ziel sei die Infrastruktur der radikal-islamischen Hamas. In den vergangenen zehn Tagen habe die Hamas jedes Mal, wenn Israel deeskalieren wollte, diese Zeit genutzt, um Raketen zu abschießen, sagte der Sprecher. „Wir wollen so schnell wie möglich Sicherheit und Stabilität für die Bürger Israels wiederherstellen.“

Mit der Entsendung von Bodentruppen habe eine „neue Phase“ in der vor zehn Tagen gestarteten Operationen gegen militante Palästinenser in der Mittelmeerenklave begonnen. Der Hamas-Infrastruktur solle ein „empfindlicher Schlag verpasst“ werden, sagte Armeesprecher Peter Lerner. Die Hamas bezeichnete die israelische Bodenoffensive als „gefährlichen Schritt“, den Israel „teuer bezahlen“ werde. Die palästinensischen Widerstandskomitees kündigten an, man werde Gaza in einem Friedhof für israelische Soldaten verwandeln.

Netanjahu: Bodenoffensive soll „Terrortunnel“ treffen

Der Befehl kam von Regierungschef Benjamin Netanjahu. „Der Premierminister und der Verteidigungsminister haben die Streitkräfte angewiesen, heute Nacht eine Bodenoffensive zu beginnen, um die Terrortunnel zu treffen, die vom Gazastreifen in israelisches Gebiet reichen“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Büro des Premiers.

Zuvor hatten Israel und die militant-islamische Hamas über eine Waffenruhe im Gazakonflikt verhandelt. Eine erste Gesprächsrunde, die unter ägyptischer Vermittlung ablief, ging in der Nacht zum Donnerstag in Kairo zu Ende, berichteten israelische Medien. Ein israelischer Offizieller sagte der Nachrichtenagentur dpa, dass noch nichts abschließend vereinbart worden sei und dass die Verhandlungen weitergingen. Das schürte die Hoffnung, eine Waffenruhe stünde bevor.

Am Donnerstag herrschte tagsüber eine auf fünf Stunden befristete humanitäre Waffenruhe. Sie war vom UN-Flüchtlingskoordinator Robert Serry angeregt worden, um den Gazastreifen mit bitter benötigten Hilfslieferungen zu versorgen. Doch danach drehte sich die Spirale der Gewalt weiter. Unmittelbar vor und nach der fünfstündigen Waffenruhe wurde von beiden Seiten geschossen.

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