Nach der Wahl
In Simbabwe deutet sich Stichwahl an

Vier Tage nach den Präsidentschaftswahlen in Simbabwe mehren sich Zeichen, dass es zu einer Stichwahl zwischen dem seit 28 Jahren regierenden Staatschef Robert Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai kommt. Simbabwes Nachbarstaat Sambia versetzt derweil seine Grenztruppen in Alarmbereitschaft.

HB JOHNANNESBURG/HARARE/LUSAKA. In Simbabwe haben die staatlichen Medien vier Tage nach den Wahlen nun die Möglichkeit einer Stichwahl angedeutet. Der staatlich kontrollierte „Herald“ berichtete am Mittwoch, bei den Präsidentschaftswahlen sei eine zweite Runde wahrscheinlich, da weder Amtsinhaber Robert Mugabe noch der Oppositionskandidat Morgan Tsvangirai die absolute Mehrheit erreicht habe. Das Blatt stützt sich dabei auf die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse der Parlamentswahl, wo sich weiter ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Parteien abzeichnet. Der Zeitungsbericht steht im Gegensatz den Erklärungen der Opposition, die Tsvangirai nach Parallelauszählungen klar vorne sieht.



Offiziell verkündet errang die regierende Zanu PF-Partei bei den Parlamentswahlen in 188 der 210 Wahlkreise 92 Sitze, die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) von Morgan Tsvangirai 91 und die MDC-Splitterpartei von Arthur Mutambara 5 Sitze. Die offiziellen Ergebnisse der am Samstag ebenfalls abgehaltenen Präsidentenwahl stehen bisher noch aus. Sie sollen nach den Ergebnissen der Parlamentswahl und denen für die Besetzung des Senats verkündet werden. Die MDC will am Mittwoch ihre Parallel-Auszählung bekannt geben, die auf der Auszählung der von jedem einzelnen Wahllokal bekannt gegebenen Ergebnisse basiert. Die zähe Auszählung hat Sorge vor massivem Wahlbetrug ausgelöst.



Der südafrikanische Erzbischof und Friedens-Nobelpreisträger Desmond Tutu rief beide Parteien am Mittwoch dazu auf, alles zu tun, um ein Blutvergießen zu vermeiden. Im westlichen Ausland wird der Ruf nach einem Regierungswechsel lauter. „Es ist klar, dass das Volk von Simbabwe für den Wandel gestimmt hat“, sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Gordon Johndroe, in Washington. Zugleich forderte er eine rasche Verkündung des Wahlergebnisses.



Berichte, wonach Vertreter der Zanu PF bereits mit der Opposition über einen Rücktritt des 84-jährigen Staatschefs verhandeln, wurden jedoch sowohl von Oppositionsführer Morgan Tsvangirai als auch von Regierungsseite dementiert. Tsvangirai hatte sich am Vorabend auf einer Pressekonferenz als Wahlsieger präsentiert, aber erklärt, er respektiere das offizielle Ergebnis.



Wegen der Unsicherheit im Nachbarland Simbabwe hat der afrikanische Staat Sambia seine Grenztruppen in Alarm versetzt. Verteidigungsminister George Mpombo erklärte am Mittwoch in der Hauptstadt Lusaka, in allen Grenzregionen zu Simbabwe seien die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden. Es handle sich um eine vorsorgliche Maßnahme für den Fall, dass angesichts der angespannten Lage in Simbabwe Gewalt ausbreche und eine Flüchtlingswelle nach Sambia schwappe. Neben den Regionen Chirundu und Siavonga gelte das auch für den Touristen-Ort Livingstone an den weltberühmten Victoria-Wasserfällen. Dort verbindet eine Brücke über den mächtigen Sambesi-Strom beide Länder.

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