Nach der Wahl
US-Präsident Obama lobt Afghanen

US-Präsident Barack Obama hat die Präsidentenwahl in Afghanistan als wichtigen Schritt bezeichnet, zugleich aber vor weiterer Gewalt gewarnt. Wer der Wahlsieger ist, bleibt indes weiter unklar.

HB KABUL/BERLIN/WASHINGTON. Einen Tag nach der Präsidentschaftswahl in Afghanistan beanspruchten sowohl Amtsinhaber Hamid Karsai als auch sein schärfster Rivale, der frühere Außenminister Abdullah Abdullah, den Sieg für sich. „Unsere Zahlen zeigen, dass wir genügend Stimmen haben, um zu gewinnen, ein zweiter Wahlgang ist damit nicht nötig“, sagte Karsais Wahlkampfmanager Hadschi Din Mohammad am Freitag. Ein Sprecher Abdullahs wies die Angaben als „Propaganda“ zurück und bezeichnete den Ex-Außenminister als Wahlsieger. Nach Einschätzung internationaler Beobachter gaben am Donnerstag weniger als die Hälfte der offiziell 17 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab. Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht.

US-Präsident Obama sagte, jeder habe gewusst, dass die Taliban die Wahl zu stören versuchen würden. „Auch angesichts der Brutalität haben Millionen Afghanen ihr Recht ausgeübt, ihre politischen Führer und ihr Schicksal zu bestimmen“. Er sei „beeindruckt von ihrem Mut im Angesicht von Einschüchterung und ihrer Würde im Angesicht von Durcheinander“. Das afghanische Volk sei mit der Abstimmung seinem Ziel näher gekommen, seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, sagte Obama. Das Ziel der USA sei klar: El Kaida und deren extremistischen Verbündeten zu zerschlagen. „Dieses Ziel wird erreicht werden, und unsere Truppen werden nach Hause kommen, während die Afghanen ihre eigene Schlagkraft stärken und Verantwortung für ihre eigene Zukunft übernehmen“, sagte der Präsident.

Die Unabhängige Wahlkommission (IEC) teilte mit, Ergebnisse, die nicht von der Kommission mitgeteilt würden, seien „nicht verlässlich“. Erste Teilergebnisse der Wahl würden vom kommenden Dienstag an veröffentlicht, sagte einer der IEC-Direktoren, Daoud Ali Nadschafi, am Freitag in Kabul. Der Wahlsieger werde aber erst feststehen, wenn alle Stimmen ausgezählt und von der Wahlkommission überprüft worden seien. Anfang September werde ein vorläufiges Ergebnis verkündet werden.

Nadschafi wies Berichte als voreilig zurück, wonach die Wahlbeteiligung nur zwischen 40 und 50 Prozent gelegen habe. Daten zur Wahlbeteiligung lägen der Kommission noch nicht vor, betonte er. Ein internationaler Wahlbeobachter, der ungenannt bleiben wollte, sagte dagegen der Deutschen Presse-Agentur dpa in Kabul: „Im Süden und Osten war die Beteiligung katastrophal.“ In den Unruhegebieten, in denen die Taliban stark sind, hätten nur zwischen fünf und 15 Prozent der Stimmberechtigten gewählt. Im Norden seien es bis zu 60 Prozent, im Westen maximal 50 Prozent gewesen. Damit liege die Beteiligung drastisch unter der bei der Präsidentschaftswahl 2004, als knapp 80 Prozent der Wähler ihre Stimme abgegeben hatten.

Ein Grund dafür ist nach Ansicht von Experten die Einschüchterung der Wähler. „Die Kampagne der Taliban hat schon ziemlich weit getragen und die Wahlbeteiligung auf jeden Fall gedrückt“ sagte der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Networt, Thomas Ruttig, der dpa. Zudem seien vielerorts Wahllokale geschlossen geblieben. Ruttig hatte die Wahl in der südostafghanischen Provinz Paktia beobachtet.

Karsais Wahlkampfmanager Mohammad sagte, der Sieg des Präsidenten gehe aus Daten hervor, die eigene Beobachter in den Wahllokalen bei der Stimmenauszählung erhalten hätten. Abdullahs Sprecher Sayed Fazel Sangcharaki sagte dagegen, nach ersten Ergebnissen liege der Herausforderer mit 62 Prozent der Stimmen vor Karsai, der nur 32 Prozent erhalten habe. Aus einigen Provinzen im Süden und Südosten gebe es noch keine Angaben. Dort sei es zu „groß angelegtem und organisiertem Betrug“ durch Regierungsbeamte gekommen. Beobachtern im Auftrag Abdullahs sei der Zugang zu Wahllokalen verweigert worden.

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