Nach drei Monaten Beugehaft
US-Journalistin gibt Informanten Preis

Nach fast drei Monaten in Beugehaft hat sich die "New York Times"-Journalistin Judith Miller bereit erklärt, im Zusammenhang mit der Enttarnung einer CIA-Agentin vor Gericht auszusagen.

HB WASHINGTON. Miller sagte am Donnerstag, sie müsse nicht mehr ihren Informanten schützen, da dieser sie von ihrer Schweigepflicht entbunden habe. Die „Times“ identifizierte ihn als Lewis Libby, den Stabschef von Vize-Präsident Dick Cheney. Miller sollte am Freitag vor einer Grand Jury aussagen, die die Enttarnung von Valerie Plame im Jahr 2003 untersucht. Plames Ehemann, der ehemalige Diplomat Joseph Wilson, wirft der US-Regierung vor, die Identität seiner Frau aus Rache für seine kritischen Bemerkungen zum Irak-Krieg Preis gegeben zu haben.

„Es ist schön, frei zu sein“, sagte Miller nach ihrer Entlassung aus dem Alexandria-Gefängnis nahe Washington. Dort hatte sie am 6. Juli ihre Beugehaft angetreten. Ein weiterer Journalist, Matthew Cooper vom Magazin „Time“, erhielt von seinem Informanten bereits zuvor die Erlaubnis zur Aussage. Cooper sprach nach eigenen Angaben erstmals mit einem Berater von Präsident George W. Bush, Karl Rove, über die Agentin. Rove hat jedes Fehlverhalten von sich gewiesen. Cooper hat zudem erklärt, auch mit Libby über Plame und ihrem Ehemann gesprochen zu haben.

Plames Identität war später in Medienberichten enthüllt worden. Da die Enttarnung von Agenten in den USA strafbar ist, befasst sich die Justiz mit dem Fall. Millers Verweigerung einer Aussage hatte zu einer Diskussion über den Quellenschutz in den USA geführt. Gerichte gaben der Anklage Recht, die argumentiert hatte, dass Miller die Zusammenarbeit nicht verweigern dürfe.

Mit der Aussage von Miller und Cooper könnte Staatsanwalt Patrick Fitzgerald den Fall abschließen. Sollten Libby oder Rove für die Enttarnung verantwortlich gemacht werden, könnte dies die US-Regierung in Bedrängnis bringen. Bush hat bislang alle Forderungen der Demokraten zurückgewiesen, Rove zu entlassen. Eine Sprecherin von Cheney nahm zu der Rolle Libbys am Donnerstag nicht Stellung.

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