Nach EU-Finanzgipfel
Papandreou sagt USA-Reise ab

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou bleibt in der Heimat. Die Stimmung auf dem EU-Finanzministertreffen hat die griechische Regierung in Alarmstimmung versetzt - es herrscht Sorge um das Rettungspaket.
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BreslauDas Schuldendrama in Griechenland nimmt immer verwirrendere Züge an: Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou sagte am Samstag eine geplante Reise in die USA ab. Die hänge damit zusammen, dass die kommende Woche „sehr kritisch für die Umsetzung der Beschlüsse“ des Gipfeltreffens der EU im Juli sein werde, teilte sein Büro mit. Aus diesem Grund habe Papandreou seine Reise abgesagt.

Zuvor war die eigentlich für Montag erwartete Ankunft der Experten von EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) in Athen ein zweites Mal aufgeschoben worden. Die Chefs der sogenannten „Troika“ werden demnach nicht wie ursprünglich erwartet am Montag in Athen sein. Stattdessen solle es lediglich eine Telefonkonferenz des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos mit den drei hohen Funktionären geben, hieß es aus Kreisen des Finanzministeriums. Die Reise der „Troika“ nach Athen war bereits zuvor einmal verschoben worden.

Griechische Medien berichteten, die Regierung mache sich nun große Sorgen um die nächste Tranche der Finanzhilfe. Finanzminister Evangelos Venizelos habe ein „äußerst negatives Klima“ beim jüngsten Finanzministertreffen der EU in Breslau festgestellt. Papandreou sei bereits auf dem Weg in die USA gewesen und kehre jetzt aus London nach Athen zurück, hieß es weiter.

Ursprünglich wollte sich Papandreou in New York auch mit der IWF-Direktorin Christine Lagarde treffen. Der Regierungschef hatte geplant, ihr zu versichern, dass Griechenland die nötigen Reformen und Sparmaßnahmen in die Wege leiten werde.

Nur, wenn die „Troika“ grünes Licht gibt, wird Griechenland die nächste Tranche seiner dringend benötigten Finanzhilfe bekommen. Griechenland hat nach offiziellen Angaben Geld bis Oktober. Kommt die Hilfe nicht, ist das Land pleite.

Im Gegensatz dazu ist trotz Problemen in einzelnen Ländern die Schuldensituation in Europa nach Ansicht des Chefs der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, insgesamt besser als in anderen Industrieländern. Im Ganzen sei die Lage „ermutigend“, sagte der EZB-Chef am Samstag. „Wenn ich die Euro-Zone und die Europäische Union als Ganzes betrachte, ist die Situation durchaus ermutigend“, ergänzte er.

Trichet rechnet nach eigenen Angaben in diesem Jahr mit einem Gesamtdefizit der Euro-Staaten von 4,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Staatsschulden würden in anderen „großen Wirtschaftsnationen“ rund zehn Prozent höher liegen als in der Euro-Zone. Zwar hätten die Regierungen in einzelnen Ländern Fehler gemacht, doch würden diese nun korrigiert.

Und auch trotz immer neuer Hiobsbotschaften im griechischen Schuldendrama wird die Staatspleite nach Überzeugung der EU-Finanzminister verhindert. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble äußerte sich am Samstag im polnischen Breslau (Wroclaw) zuversichtlich, dass die neuen milliardenschweren Hilfen rechtzeitig unter Dach und Fach kommen.

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  • Schäuble, Merkel und die "Opposition" müssen Insider-Kenntnisse haben. Die Erklärung, dass Regierung und "Opposition" einfach „zu blöd" sind, greift zu kurz und hat keinerlei Erklärungswert.
    Es muss einen Grund geben, warum Merkel & Co sehenden Auges eine "Augen zu und durch-Strategie" gegen den Willen ihrer Wähler und zuwider sämtlicher ökonomischer Fakten verfolgen. Dieses Risiko würde keine Regierung ohne triftige Gründe auf sich nehmen. Weil sie es letztlich nicht überlebt.
    Ein überzeugendes Erklärungsmodell liefern sie aber nicht. Warum nur äussert Schäuble die wahren Beweggründe seines Handelns nicht und nimmt bitterste Anymositäten in Kauf? Will er etwa den € über den $-Crash retten (die Fluchtwährung wäre dann wohl der €)? Gut möglich, dass die Amerikaner einen €-Crash dazu nutzen würden, ihre eigene Währung dann "aufgrund €-Crash" gegen die Wand zu fahren um dann dafür die Schuld den Europäern zu geben. Ihre beispiellose Verschuldungsorgie die sie inzwischen nur noch mit einer enormen Geldmengenausweitung "finanzieren" können, bräuchte dann nicht als Grund herzuhalten, wäre vom Tisch und dem US-Wähler plausibel zu verkaufen. Rettet Schäuble sich etwa nur über die Zeit bis zum $-Crash und nimmt dafür so ziemlich alles in Kauf?

  • Griechenland kann nur noch von einer Militär-Regierung

    gerettet werden .

    Die Mafiaregierung von Papandreou aus dem Land jagen .


    Betonkopf Merkel will die Schuldenunion -ESM .

    Deutsche Bürger wählen die CDU mit Merkel ab!!!

  • Der griechische Ministerpräsident steht politisch und in Meinungsumfragen unter extremen Druck. Die USA-Reise hätte wichtige Syphatiepunkte gebracht, doch er kehrt um. Warum? Allgemein bekannt ist, dass Griechenland kurz vor einer Staatsinsolvenz steht. Griechische Politiker planen schon jetzt intensiv die Nach-Pleite-Ära und eine Rückkehr zur Drachme. Doch es gibt eventuell noch einen wichtigeren Grund. Die Türkei sichert derzeit mit Kriegsschiffen notgedrungen eine Probebohrung nach Rohstoffen im Mittelmeer, nachdem Athen ebenfalls massiv Ansprüche auf das Gebiet angemeldet hat und kriegerisch mit den Säbeln rasselt. Neben dem tatsächlichen Streit um Rohstoffe der Zukunft, geht es hintergründig um ein politisches Ablenkungsmanöver. Die Blaupause bietet der Falklandkrieg der 80er Jahre. Hier hatte Argentinien nach innenpolitischen Problemen einen Krieg mit Großbritanien provoziert, indem es die Falklandinseln vorübergehend besetzte. Argentinien wankende Regierung verlor das Kräftemessen mit GB, konnte aber die eigene Bevölkerung sehr wirkungsvoll durch nationale Töne hinter sich bringen. Genau das könnte nun auch die Absicht der griechischen Falken sein. Zudem böte sich die Gelegenheit, die Nato zu instrumentalisieren, um an weitere finanzielle Hilfsleistungen zu kommen. Denn wer lässt schon einen Freund in höchster Not innenpolitisch im Stich...

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