Nach Fidel Castros Abschied
Schwerer Start für Deutsche in Kuba

Nach dem Machtwechsel bieten sich für ausländische Investoren neue Chancen - doch die Europäer haben viel Boden verloren. Länder wie Venezuela oder China haben sich in den letzten Jahren als wichtigste Wirtschaftspartner etabliert.

MEXIKO-STADT. Internationale Firmen erhoffen sich von dem Machtwechsel in Kuba neue Einstiegschancen auf der Karibikinsel. Der neue Staatschef Rául Castro gilt anders als sein Bruder Fidel als Befürworter von mehr Markt in der Planwirtschaft. Doch deutsche und andere europäische Unternehmen haben eine schlechte Startposition.

Noch 2003 war die EU der größte Auslandsinvestor in Kuba. Seither hat Havanna sich aber verstärkt befreundeten Staaten zugewandt. Heute sind Venezuela und China die wichtigsten Wirtschaftspartner der Insel und haben – unterstützt von Iran – weitgehend den Wiederaufbau der brachliegenden Industrie und maroden Infrastruktur übernommen. Allein der Handelsaustausch zwischen Kuba und Venezuela schnellte zwischen 2001 und 2006 von 460 Mill. Dollar auf 2,64 Mrd. Dollar hoch. Dagegen nimmt sich der deutsch-kubanische Handel mit einem Volumen von 380 Mill. Dollar bescheiden aus.

Zudem wird Kuba zunächst eher die so genannte Graswurzelwirtschaft privatisieren. Vor allem im Gewerbe und in der Landwirtschaft macht Raúl Castro den größten Bedarf an privater Initiative aus, um die nach wie vor prekäre Versorgungslage der Bevölkerung zu lindern. Die Insel muss jedes Jahr für rund 1,6 Mrd. Dollar Nahrungsmittel im Ausland kaufen. Ein knappes Drittel davon importiert Kuba aufgrund von Ausnahmeregelungen beim US-Embargo aus den USA, was die Vereinigten Staaten statistisch zum viertgrößten Handelspartner Kubas macht.

Nach Angaben der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) sucht das kubanische Ministerium für Auslandsinvestitionen Partner für die Branchen Tourismus, Metallverarbeitung, Verkehrsinfrastruktur sowie für die Suche und Förderung von Erdöl und Metallen. In den größten dieser Bereiche, der Ölförderung und dem Tourismus, sind deutsche Unternehmen so gut wie nicht vertreten. Das kann auch daran liegen, dass deutsche Firmen ein stärkeres Engagement auf der Insel scheuen, um in den USA mögliche Nachteile aufgrund des Helms-Burton-Gesetzes zu vermeiden. Es droht Unternehmen Nachteile bei Ausschreibungen in den USA an, wenn diese mit Kuba Handel treiben. Deswegen sind deutsche Firmen mit Briefkastenrepräsentanzen in Kuba vertreten oder investieren wie Siemens nur in Medizintechnik, die vom Embargo ausgenommenen ist.

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