Nach Flugzeugabschuss
Der Ton wird rauer zwischen Moskau und Ankara

Nach dem Abschuss des russischen Militärflugzeugs will die Türkei beschwichtigen. Präsident Erdogan sucht den Kontakt zu Kremlchef Putin, doch der verschärft den Ton. Erdogan wiederum wehrt sich gegen jegliche Vorwürfe.

Istanbul/MoskauDas Verhältnis zwischen Russland und der Türkei ist zwei Tage nach dem Abschuss eines russischen Bombers an der türkisch-syrischen Grenze weiter angespannt. Die Türkei bemüht sich um Deeskalation, übt allerdings auch indirekte Kritik an Russland. Der Ton wird insgesamt rauer.

Die türkische Regierung zeigt sich bemüht, die Umstände des Abschusses aufzuklären. Nach dem Zwischenfall seien russische Militärvertreter in das türkische Armee-Hauptquartier eingeladen worden, hieß es am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme. Dort sei den Russen erläutert worden, dass eine Einsatzregel befolgt worden sei, weil die Besatzung des russischen Flugzeugs nicht auf Warnungen reagiert habe.

Nach dem Abschuss habe sich die Türkei bemüht, die russischen Piloten ausfindig zu machen und zu retten. Zudem beteuert die Türkei nach wie vor, dass zum Einen die Herkunft des Bombers zum Zeitpunkt des Abschusses unbekannt war, der Jet zum Anderen allerdings auch vorher gewarnt worden sei.

Das Vorgehen sei, so Präsident Erdogan am Donnerstag, „eine automatische Reaktion“ gewesen, die mit den türkischen Verhaltensregeln in Einklang gestanden habe. Wenn sich das Land heute dem gleichen Verstoß gegenüber sähe, würde es genauso reagieren.

Erdogan sucht einem Medienbericht zufolge den direkten Kontakt zu seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Wie die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ am Donnerstag berichtet, will Erdogan unbedingt ein Gespräch am Rande des Uno-Klimagipfels in Paris am 30. November mit dem Kremlchef führen. Es wäre ein Signal der Entspannung.

Vor dem Treffen wolle er mit Putin noch einmal telefonieren. Bereits am Mittwoch hatte Erdogan betont, dass sein Land keine weitere Eskalation wolle, sondern auf der Seite „des Friedens, des Dialogs und der Diplomatie“ stehe.

Daran scheint Russland in diesen Tagen relativ wenig Interesse zu haben: Putin erhob abermals schwere Anschuldigungen. „Es sieht so aus, dass die türkische Regierung die Beziehungen bewusst in eine Sackgasse steuert“, sagte er. Noch immer warte man auf eine Entschuldigung für den Abschuss des Kampfjets an der syrischen Grenze oder ein Angebot für eine Entschädigung. Auch eine realistische Erklärung, warum die türkische Luftwaffe am Dienstag den Jet ins Visier genommen habe, stehe noch aus, ergänzte ein Präsidialamtssprecher.

Erdogan wiederum reagierte am Donnerstag mit neuer Kritik am russischen Vorgehen in Syrien. Er warf Russland am Donnerstag vor, seinen Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat in dem Bürgerkriegsland als Vorwand zu nutzen, um Oppositionsgruppen ins Visier zu nehmen – mit dem Ziel, den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stärken.

Ohne Russland direkt zu erwähnen, forderte Erdogan das Land heraus, seinen Vorwurf zu beweisen, wonach die Türkei vom IS Öl und Gas kaufe. Die Anschuldigungen bezeichnete der türkische Präsident als „beschämend“. Die Türkei sei das Land, das den ernstesten Kampf gegen den IS führe, sagte Erdogan weiter. Es habe in den vergangenen Jahren Tausende Extremisten festgenommen.

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