Nach Flugzeugabsturz
Suche nach Lösung des Ukraine-Konflikts drängt

Wurde die Malaysia-Boeing mit fast 300 Menschen über der Ukraine abgeschossen, und wer ist verantwortlich? Kiew und die Separatisten geben sich gegenseitig die Schuld. Eine Chronologie zum Nachlesen.
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DüsseldorfDie Union bringt eine Blauhelm-Mission ins Gespräch, US-Präsident Barack Obama spricht von einer „schrecklichen Tragödie“, Putin legt eine Schweigeminute ein: Der mutmaßliche Abschuss einer Passagiermaschine über der Ostukraine sorgt für Bestürzung. Hoffnung auf Überlebende unter den 298 Menschen an Bord gibt es kaum. Bleibt die Frage: Wer hat geschossen? Denn die beiden Parteien – prorussische Separatisten und ukrainischen Streitkräfte – schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. US-Geheimdienste gehen davon aus, dass die Maschine von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will sich am Freitag in einer eilig einberufenen Sondersitzung mit dem Flugzeugabsturz in der Ukraine befassen. Die Ereignisse hier zum Nachlesen.

+++Obama und Merkel telefonieren wegen des Absturzes+++

Wegen des Absturzes von Flug MH017 über der Ostukraine hat US-Präsident Barack Obama mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) telefoniert. Obama sprach am Freitag auch mit dem britischen Premierminister David Cameron, Polens Premierminister Donald Tusk und Australiens Premierminister Tony Abbott, teilte das Weiße Haus mit. Alle fünf Politiker sprachen sich in den Telefonaten demnach für eine schnelle internationale Untersuchung aus, um die Hintergründe des Absturzes der malaysischen Maschine mit 298 Toten zu klären. Mit Merkel sprach Obama auch über die neuen Sanktionen der USA und der EU gegen Russland.

+++Deutschland, Frankreich und Polen fordern Waffenruhe in Ostukraine+++

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens, Frank-Walter Steinmeier, Radoslaw Sikorski und Laurent Fabius, haben nach dem mutmaßlichen Abschuss einer malaysischen Passagiermaschine eine sofortige und nachhaltige Waffenruhe für die Ostukraine gefordert. Der Vorfalle zeige, wie gefährlich die Lage dort geworden sei, hieß es in einer am Freitagabend vom Auswärtigen Amt verbreiteten Erklärung der drei Außenminister des Weimarer Dreiecks.

Die Außenminister riefen zu einer gründlichen Untersuchung der Ursache und Umstände des Flugzeugabsturzes auf, bei dem am Donnerstag 298 Menschen ums Leben gekommen waren. Für eine solche Untersuchung müssten alle Feindseligkeiten sofort beendet und internationalen Teams voller Zugang zu dem Gebiet gewährt werden. Sollte sich bewahrheiten, dass die Maschine der Malaysia Airlines wirklich abgeschossen worden sei, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

+++Union bringt Blauhelm-Mission ins Gespräch+++

Die Union hat einen UN-Blauhelmeinsatz für die Region vorgeschlagen. „Wir brauchen jetzt schnellstmöglich einen international überwachten Waffenstillstand“, sagte Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff der „Rheinischen Post“ (Samstag). Es könne nicht mehr so weitergehen, dass es immer nur einseitig eingehaltene Feuerpausen gebe. „Wir sind jetzt in einer Phase, in der wir über einen Blauhelmeinsatz unter dem Dach der Vereinten Nationen mit einem entsprechenden Mandat nachdenken müssen.“ Eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine schloss der CDU-Außenexperte nicht aus. „Wenn eine solche Mission zustande kommen sollte, würde auch Deutschland gefragt sein“, sagte er.

+++Cameron macht Separatisten für Abschusse verantwortlich+++

Nach US-Präsident Barack Obama hat auch der britische Premierminister David Cameron die Separatisten in der Ukraine für den Abschuss des malaysischen Passagierflugzeugs über der Ukraine verantwortlich gemacht. Solange nicht noch überwältigende anderslautende Beweise ans Tageslicht kämen, sei es zunehmend wahrscheinlich, dass eine von den Separatisten abgefeuerte Rakete das Flugzeug zum Absturz gebracht habe, erklärte ein Sprecher Camerons am Freitagabend in London. Die bislang vorliegenden Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass eine Boden-Luft-Rakete von der Ortschaft Torez in einem von den Rebellen gehaltenen Gebiet abgefeuert worden sei. Unter den fast 300 Todesopfer waren seinen Angaben zufolge zehn Briten.

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  • Und wie sieht es mit den russischen Medien aus - RIA Novosti bringt z.B. eine Meldung, ein Bewohner einer nahe dem Absturzort gelegenen Siedlung habe den Abschuss der Boeing 777 durch ein Kampfflugzeug beobachtet! Und das ganze in 10 km Höhe (!) - wer sieht 10 Kilometer weit? - so ein Schwachsinn! Und leider ist so mancher Unsinn auch hier zu lesen! - und spekulieren auf Deibel komm raus! Abwarten und Tee trinken!

  • Doch, genau das hat Herr Peter Spirat, heute morgen schon zum Besten gegeben (Vergleich mit 9/11)

  • Habe mir gerade bei Phönix die Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats angesehen. Die Ausführung aller Mitglieder wurden gesendet, selbst der Tschad kam bei Phönix zu Wort.
    Die Vertreterin der USA war, wie immer wenn es gegen Rußland geht, bereits im Besitz der vollen Wahrheit, mit Schaum vorm Mund und obwohl noch nichts aufgeklärt ist. Der Gipfelpunkt der Übertragung bei Phönix war allerdings der Abbruch der Übertragung, bevor man den Vertreter des beschuldigten Rußland hören konnte!
    Diese Art der Berichterstattung scheint mir mittlerweile bezeichnend für unsere Medien zu sein.
    Einseitig, Informationen vorenthaltend, tendenziös. Was ist das für ein Journalismus.
    Phönix soll sich schämen!!!

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