Nach Flynns Rücktritt
Trump muss einen neuen Sicherheitsberater suchen

Ein Posten in der US-Regierung ist schon wieder frei. Donald Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn scheiterte an seinen Telefonaten mit dem russischen Botschafter in den USA. In Moskau kommt der Rücktritt nicht gut an.
  • 1

WashingtonNur knapp vier Wochen nach seinem Amtsantritt muss sich US-Präsident Trump einen neuen Nationalen Sicherheitsberater suchen. Der General i.R. Michael Flynn trat am Montagabend (Ortszeit) mit sofortiger Wirkung von diesem Posten zurück.

Flynn war zuvor immer stärker unter Druck geraten, weil er noch zu Zeiten der Regierung von Präsident Barack Obama mit Russlands Botschafter in Washington über US-Sanktionen gegen Russland gesprochen hatte. In Moskau bewerteten Politiker den Rücktritt als ein schlechtes Zeichen für die Zukunft der amerikanisch-russischen Beziehungen.

Kommissarischer Nachfolger Flynns wird mit dem 72-Jährigen Keith Kellogg ein weiterer General im Ruhestand. Nur wenige Stunden vor dem Bekanntwerden von Flynns Rücktritt hatte der US-Senat den früheren Wall-Street-Banker Steven Mnuchin als neuen Finanzminister bestätigt.

Flynn hatte Ende Dezember, noch ehe er ein offizielles Amt innehatte, mit Botschafter Sergei Iwanowitsch Kisljak telefoniert – ungefähr zu der Zeit, als Präsident Barack Obama neue Sanktionen gegen Russland verhängte. Das Weiße Haus bestätigte diese Kontakte. Trumps Sprecher Sean Spicer und Vizepräsident Mike Pence erklärten aber, in den Gesprächen sei es nicht um die Sanktionen gegangen. Dies stellte sich später als falsch heraus, wie die „Washington Post“ unter Berufung auf ehemalige und aktuelle Regierungsvertreter berichtete.

Er habe Pence aus Versehen nicht vollständig über seine Telefonate informiert, begründete Flynn seinen Rücktritt: „Leider habe ich wegen der hohen Geschwindigkeit der Ereignisse unbeabsichtigt den designierten Vizepräsidenten und Andere mit unvollständigen Informationen über meine Telefongespräche mit dem russischen Botschafter unterrichtet.“ Amerikanischen Bürgern ist es verboten, ohne Legitimation mit anderen Staaten zu verhandeln.

Wie die „Washington Post“ weiter schrieb, hatte die damalige kommissarische Justizministerin Sally Yates bereits Ende Januar das Weiße Haus gewarnt, Flynn habe zu seiner Kommunikation mit Kisljak gelogen und sich damit durch Russland erpressbar gemacht.

Russische Politiker sehen in Flynns Ausscheiden aus der US-Regierung ein schlechtes Zeichen für die Beziehungen beider Länder. „Von den Falken in Washington wird die Bereitschaft zum Dialog mit den Russen als Gedankenverbrechen gesehen“, schrieb der Vorsitzende im Außenausschuss des Föderationsrates, Konstantin Kossatschow, auf Facebook. Kossatschow meinte, Präsident Trump könne entweder nicht selbstständig handeln oder werde daran gehindert.

Es gehe darum, die Beziehungen zu Russland zu treffen, twitterte der Senator Alexej Puschkow. Kremlsprecher Dmitri Peskow wollte den Rücktritt nicht kommentieren: Es sei eine innere Angelegenheit der USA.

Seite 1:

Trump muss einen neuen Sicherheitsberater suchen

Seite 2:

Schon früher Irritationen

Kommentare zu " Nach Flynns Rücktritt: Trump muss einen neuen Sicherheitsberater suchen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Endlich kommt dieser Sumpf ins Licht! Trump ist eine Marionette von Russland. Hoffentlich platzen demnächst noch mehr Bomben dieser Art. Der unqualifizierteste U.S.-Präsident aller Zeiten mauschelt mit Moskau. Big Loser. So sad.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%