Nach französischem "Nein" zur EU-Verfassung
Wirtschaft fürchtet Ende der Reformen

Der Euro hat mit deutlichen Kursverlusten auf das Nein der Franzosen zur EU-Verfassung reagiert. Die Gemeinschaftswährung rutschte am Montag unter die psychologisch wichtige Marke von 1,25 Dollar. Insgesamt verlor der Euro seit Freitag damit fast einen Cent. Anfang Mai lag der Kurs noch über 1,29 Dollar.

fo/rp BERLIN/DÜSSELDORF. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sprach bei einer Konferenz in Montreal von einem schwierigen Moment, den Europa nach der Ablehnung der Europäischen Verfassung durch die Franzosen erlebe. Er sei aber zuversichtlich, dass die Europäer einen Weg zur Überwindung der derzeitigen Schwierigkeiten finden. Laut EZB will sich Trichet am Donnerstag auf seiner monatlichen Pressekonferenz detaillierter mit dem Thema befassen.

Experten und Wirtschaftsverbände erwarten vom Scheitern der Verfassung weniger kurzfristige als möglicherweise langfristige Wirkungen. Dabei spielt nicht so sehr der Außenhandel eine Rolle, sondern vielmehr die Angst vor einem nachlassenden Reformdruck in der EU. So sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, dass „sich die Diskrepanz zwischen dem Wachstum in Europa und den Wachstumsmärkten in Übersee eher verstärken wird“. Börner fürchtet, dass Entscheidungen über wichtige Themen wie Liberalisierung und Arbeitsmarkt jetzt noch schwieriger werden: Die Ablehnung Frankreichs werde „mittelfristig nicht ohne Auswirkungen auf die Wirtschaft bleiben“.

Besorgt zeigten sich auch die Maschinen- und Anlagenbauer, eine der exportintensivsten Branchen Deutschlands. „Wir sind auf eine starke und funktionsfähige Europäische Union angewiesen“, sagte Verbandspräsident Dieter Brucklacher dem Handelsblatt. Der VDMA-Präsident erwartet, dass die wirtschaftspolitischen Reformprojekte, insbesondere der Lissabon-Prozess, trotz des Referendums ungebremst fortgesetzt werden. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, erklärte, die Franzosen hätten ein deutliches Signal gesetzt, dass es in Europas Politik stärker um Beschäftigung und wirtschaftliches Wachstum gehen müsse.

Von der Stärke des Euros hängt vor allem die weitere Entwicklung der exportintensiven Branchen wie Maschinen- oder Automobilbau ab. Während VDMA-Chef Brucklacher keine Folgen des Referendums für die Währung erwartet, sehen Experten allenfalls kurzfristige Effekte. „Die Märkte hatten genügend Zeit, sich auf das Nein einzustellen“, sagt Dorothea Huttanus, Leiterin des Researchs Geld- und Devisenmarkt der DZ Bank. Bis Ende des Jahres rechnet sie sogar damit, dass die „großen Probleme der USA“ wieder den Dollar belasten werden. Der Euro-Kurs werde dann wieder bei 1,30 Dollar liegen.

Die Hauptgründe für Währungsschwankungen sieht Huttanus ohnehin in den USA. So sei nicht etwa der Ausgang des Referendums Ursache für die aktuelle Euro-Schwäche, sondern vor allem der für Freitag erwartete Arbeitsmarktbericht aus den USA. Zum Wochenauftakt war der Währungshandel wegen Feiertagen in Großbritannien und den USA zudem schwach.

Eher pessimistisch bewertet Eric Chaney, Chefökonom für Europa bei Morgan Stanley, die Auswirkungen des Referendums auf den Euro. Die höhere politische Unsicherheit und mehr Gespräche über „ein mögliches Aufbrechen der Euro-Zone“ werden seiner Meinung nach am Kurs des Euros zehren. Und zwar nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber anderen Währungen wie Pfund, Schweizer Franken oder Yen.

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