Nach Gaddafis Tod
Letzte Warnung an Syrien und Jemen

Rette er sich, solange er noch kann: Laut angesehenen Politologen sind die Machthaber der Länder Syrien und Jemen gut beraten, sich langfristig zurückzuziehen. Der Tod Gaddafis hat die Fronten verhärtet.
  • 1

BeirutDer erste gestürzte arabische Herrscher floh ins Exil, der zweite steht vor Gericht, nun wurde der dritte von Aufständischen getötet. Es ist dieses dritte Kapitel im Arabischen Frühling, der gewaltsame Tod von Libyens Machthaber Muammar Gaddafi, der den beiden belagerten Herrschern im Syrien und Jemen eine Warnung sein dürfte: Je länger sie sich einem Wandel widersetzen, desto höher der Preis, sollten sie dabei scheitern.

Der Politikexperte Ibrahim Seif vom Carnegie Middle East Center in Beirut verweist auf die Entscheidung der Präsidenten von Tunesien und Ägypten, Zine al-Abidine Ben Ali und Husni Mubarak, sich schon nach einigen Wochen dem Druck der Straße zu beugen.

Es gebe inzwischen die Ansicht, dass sie damit wie „weise Männer“ gehandelt hätten, sagt Seif. Selbst wenn Bashar al-Assad in Syrien und Ali Abdullah Saleh im Jemen weiter an der Macht festhielt, könnte der Tod Gaddafis bei ihren Anhängern ein Umdenken auslösen: „Wenn sie den völligen Zusammenbruch sehen, müssen sie ihre Position überdenken.“

Der jemenitische Politologe Abdulghani al-Iryani sieht auf jeden Fall Auswirkungen auf die Situation im Jemen. „Diktatoren haben die gleichen Angewohnheiten und Eigenschaften. Jedes Mal, wenn einer von ihnen gestürzt wird, passen die anderen genau auf.“ Hafedh al-Buqari vom Yemen Polling Center sieht dagegen die Gefahr, dass Saleh sich jetzt nur stärker gegen internationalen Druck stemmt.

Auch in Syrien könnte der Ausgang des Volksaufstandes in Libyen zu einer Verhärtung der Positionen führen, sagt der ehemalige niederländische Diplomat Nikolaos Van Dam. Zwar könnten die Aufständischen Mut schöpfen. Aber auch die Entschlossenheit der Regierung könnte steigen.

Seif zeigt sich hoffnungsvoller, was andere arabische Staaten angeht, in denen die Opposition eher Reformen als Umsturz fordert. „In Jordanien, Marokko und Bahrain haben sie noch Handlungsspielraum“, sagte er. Gaddafis Schicksal dürfte dort den Dialog vorantreiben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Gaddafis Tod: Letzte Warnung an Syrien und Jemen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein sehr aufschlußreiches Photo - alle Frauen sind verschleiert. Wie war das noch vor ein paar Tagen, zu Zeiten Gaddafis?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%