HB BRÜSSEL/BUDAPEST. Die EU setzt auf das Projekt, zumal nach dem jüngsten Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine mit Lieferstopps die Forderungen nach alternativen Routen lauter geworden sind.
Das Nabucco-Projekt sei nicht gegen Russland gerichtet, sagte der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek, dessen Land derzeit die EU-Präsidentschaft innehat. "Nabucco ist nicht gegen irgendjemanden gerichtet, sondern wir wollen es aus Eigeninteresse", sagte er. Ungarn hatte von der EU zuvor eine Teilfinanzierung der Nabucco-Pipeline gefordert. "Energie zu haben oder nicht zu haben, kann zu einer Frage der nationalen Souveränität und Stabilität werden", sagte Ministerpräsident Ferenc Gyurcsany bei einem Treffen des Konsortiums in Budapest.
Mit Nabucco, einer 3400 Kilometer langen Gasleitung vom Kaspischen Raum nach Österreich, sollen bis zu 31 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr nach Westeuropa fließen. Bisher verfügt die Leitung aber nicht über ausreichend Gasquellen, um grünes Licht zu erhalten. An dem Projekt sind unter anderem RWE
und die österreichische OMV beteiligt. EU-Kommissions-Präsident Jose Manuel Barroso forderte die beteiligten Akteure auf, das Projekt voranzutreiben.
Barroso hat sich nach dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine entschieden, mit ungenutzten Krediten von 3,5 Mrd. Dollar die Energiesicherheit Europas zu erhöhen. Dabei soll dem Entwurf zufolge auch Geld an Ausgleichsleitungen sowie Pipelines in Polen, Dänemark, Schweden, Italien und Griechenland fließen. Außerdem sollen Windenergieparks mit 520 Mio. Euro und Technologien zum Einfangen von Kohlendioxid-Emissionen von Kohlekraftwerken mit 1,25 Mrd. Euro gefördert werden.