Nach Herabstufung
Frankreich verzichtet auf neue Sparmaßnahmen

Frankreichs Finanzminister Baroin hält weitere Sparmaßnahmen nach der Herabstufung des Landes für nicht notwendig. Statt auf neue Haushaltspläne konzentriere sich Regierung auf die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs.
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BerlinDie Regierung in Paris sieht sich nach der Herabstufung Frankreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor's nicht zu zusätzlichen Sparmaßnahmen gezwungen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir mit den bereits getroffenen Maßnahmen die Ziele für 2012 zur Reduzierung des öffentlichen Defizits einhalten können“, sagte Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister François Baroin der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ laut Vorabbericht.

„Es wird also keine neuen Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung geben.“ Die Regierung werde ihre Anstrengungen auf die strukturellen Reformen konzentrieren, mit denen sie die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft verbessern wolle. Dabei gehe es unter anderem um eine Senkung der Arbeitskosten.

Baroin sagte weiter, nach seiner Einschätzung werde sich die Herabstufung Frankreichs nicht negativ auf das Vorziehen des dauerhaften Stabilitätsmechanismus ESM auswirken. Frankreich und Deutschland hätten sich für ein schnelleres Befüllen des Europäischen Stabilitätsmechanismus schon für 2012 ausgesprochen. „Eine solche Beschleunigung ist möglich, ohne das finanzielle Gleichgewicht Frankreichs substanziell zu verändern.“ Frankreich werde weiterhin von sehr günstigen Anleihekonditionen profitieren.

Die Herabstufung mehrerer Garantiegeber des bestehenden Hilfsfonds EFSF habe nicht zwangsläufig eine Erhöhung ihrer Finanzierungskosten zur Folge, sagte Baroin zudem. Ein gutes Beispiel dafür seien die USA. „Es besteht auch nicht automatisch ein Zusammenhang zwischen dem EFSF-Zinssatz und dem der Länder.“

Präsident Nicolas Sarkozy hatte am Sonntag weitere Reformen angekündigt, die er bis Ende des Monats vorschlagen wolle. „Wir können die Krise überwinden, solange wir den gemeinsamen Willen dazu haben und die Kraft aufbringen, unser Land zu reformieren“, erklärte der Staatschef, für den die Herabstufung ein Rückschlag im Kampf um seine Wiederwahl im Mai bedeutet. Für Mittwoch hat Sarkozy Gespräche mit Gewerkschaftsvertretern und Arbeitgebern angesetzt.

Standard & Poor's hatte am Freitag verbunden mit harscher Kritik am Krisen-Management der Europäer die Kreditwürdigkeit gleich einer ganzen Reihe von Euro-Ländern gesenkt, darunter auch Frankreich. Der Wirtschaftsriese büßte genauso wie auch Österreich das bisherige Top-Rating ein. Insgesamt 9 der 17 Euro-Länder sackten im S&P Bewertungssystem ab. Deutschland behielt seine Bestnote AAA.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Nach Herabstufung: Frankreich verzichtet auf neue Sparmaßnahmen"

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  • Schauen Sie mal auf x-beliebige Produkte, die Sie zu Hause haben. Steht da -abgesehen vom Wein- irgendwo "Made in France" drauf? Nööö...

    Soviel zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

  • @MikeM: Die SPD will doch gar nicht, das "wir sparen" - sie will mehr Steuern einkassieren - und das unterscheidet sich nicht sehr von der CDU und den französischen Vorstellungen. Wir sollten uns schon mal aufs Auswandern vorbereiten und Aktien, die mehr als 60% Umsatzanteil in der EU haben, verkaufen (also ca. 25 der 30 DAX-Aktien).

  • Schwachsinn.Die netten Burschen von S&P haben gesagt dass das Rating wegen der potentiellen Probleme bei den fran. Banken und die künftige wohl notwendige staatliche Rekapitalisierung liegen.Frankreich ist im Vergleich mit USA oder Bankrottannien viel besser dran.Wenn aber Paris die Bankenrettung so dämlich organisiert wie Irland werden sie pleite sein bevor Sarkozy Merkel anwählen kann und dann sind wir dran.Berlin müsste dann wohl irgendwie 400 Mrd.€ finden und es Frankfurt damit die Banken nicht umfallen wenn Frankreich das Geld nicht zurückzahlt.Man soll nicht in Panik aus den Fenster springen.

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