Nach Indiskretion
Justiz ermittelt gegen Weißes Haus

Die Affäre um die mögliche gezielte Enttarnung einer CIA-Agentin beschäftigt nun auch die Justiz. Es handele es sich um ein Standardverfahren, betonte das US-Justizministerium.

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HB WASHINGTON: Das US-Justizministerium hat Ermittlungen wegen einer möglicherweise gezielten und damit illegalen Indiskretion des Weißen Hauses zur Enttarnung einer CIA-Agentin aufgenommen. Justizminister John Ashcroft bestätigte am Dienstag in Washington, dass eine formelle Untersuchung eingeleitet worden sei. Sie soll klären, ob das Weiße Haus mit einer Bekanntgabe des Namens der Agentin möglicherweise ihrem Mann schaden wollte - dem Irakkriegs-Kritiker und früherem US-Botschafter Joseph Wilson.

Das Weiße Haus sei am Vorabend über die Untersuchung informiert worden und die Mitarbeiter seien aufgefordert worden, alle relevanten Information aufzubewahren, sagte Ashcroft. Er sprach von einem Standardverfahren in einem solchen Vorfall. Die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission lehnte er ab.

Das Weiße Haus hat eigenen Angaben zufolge alle Mitarbeiter zur vollen Kooperation aufgerufen. Die Identifizierung von CIA-Agenten ist nach amerikanischen Recht strafbar, da sie dadurch gefährdet werden können.

Der frühere US-Botschafter Joseph Wilson hatte kürzlich erklärt, das Weiße Haus habe den Namen seiner Frau durchsickern lassen und dabei angedeutet, dies sei möglicherweise aus Rache geschehen. Das Weiße Haus hatte den Vorwurf entschieden zurückgewiesen.

Der Afrika- und Irakexperte Wilson gilt als scharfer Kritiker der Irak-Politik des Weißen Hauses. Er hatte vor allem die Behauptung der US-Regierung als ungerechtfertigt bezeichnet, Saddam Hussein habe versucht, in Niger Uran für ein Atomwaffenprogramm zu erwerben. Obwohl Wilson nach einer Reise nach Niger der US-Regierung davon abriet, den Vorwurf zu wiederholen, griff Präsident George W. Bush ihn in seiner Rede an die Nation kurz vor Beginn des Irakkriegs wieder auf. Erst nach Ende des Kriegs erklärte Bush, dass er dies nicht hätte tun sollen.

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