Nach Informationen aus Delegationskreisen
Konsens für Rato als IWF-Chef zu erwarten

Nach Einschätzung aus Kreisen der deutschen IWF-Delegation zeichnet sich nach dem Rückzug des französischen Kandidaten für das Amt des IWF-Chefs, Jean Lemierre, ein Konsens für den Spanier Rodrigo Rato ab.

HB FRANKFURT. „Es scheint sich abzuzeichnen, dass es Rato wird“, hieß es dazu am Dienstag aus den Kreisen im Vorfeld der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank am Wochenende. Es sei davon auszugehen, dass das IWF-Direktorium auf einer seiner nächsten Sitzungen einmütig den ehemaligen spanischen Wirtschaftsminister zum Nachfolger Horst Köhlers ernennen werde. Köhler war im März als geschäftsführender Direktor zurückgetreten, um für das Amt des des deutschen Bundespräsidenten zu kandidieren. Lemierre war am Montag für weitere vier Jahre als Präsident der Osteuropabank bestätigt worden und hatte erklärt, ein Wechsel zum IWF komme für ihn nicht mehr in Frage.

Mit Rato würde erstmals ein Politiker an die Spitze des IWF rücken. Grundsätzlich sei damit die Gefahr verbunden, dass ein Politiker als IWF-Chef sich zu sehr auf Repräsentationsaufgaben konzentriere, während die eigentliche Geschäftspolitik des Fonds in der Hand seiner Stellvertreter sei, hieß es in den deutschen Delegationskreisen. Dadurch könnte der Einfluss der Europäer schwinden. Europa stellt traditionell den Chef des IWF, während die Weltbankspitze von den USA besetzt wird.

In dem Entwurf für den Bericht zur Lage der Weltwirtschaft erwartet der IWF 2004 ein globales Wachstum von 4,6 %. Die Wachstumsaussichten hätten sich zwar global verbessert, doch es gebe noch mehrere Risikofaktoren für ein Anhalten des Aufschwungs, heißt es darin. Ein Mitglied der deutschen IWF-Delegation sagte dazu: „Der IWF und die EU-Kommission unterschätzen die Ölpreisentwicklung.“ Es sei aber nicht zu erwarten, dass die sieben wichtigsten Industrieländer (G-7) Druck auf die Erdöl produzierenden Länder ausüben würden, den Rohstoff zu verbilligen. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent war am Montag auf den höchsten Stand seit gut einem Jahr von mehr als 34 Dollar gestiegen.

Während die USA und asiatische Schwellenländer, insbesondere China, die Gravitationszentren der weltwirtschaftlichen Erholung seien, verlaufe die Entwicklung in Europa nach wie vor enttäuschend, hieß es in den Kreisen weiter. Anders als im Rest der Welt fehle den Investoren und Verbrauchern in Europa noch immer das Vertrauen in eine konjunkturelle Besserung.

Wegen der nur langsamen Konjunkturerholung in Europa werde der IWF die Europäische Zentralbank (EZB) erneut auffordern, eine Zinssenkung in Betracht zu ziehen, hatte die „Financial Times“ kürzlich berichtet. Aus den Delegationskreisen hieß es dazu nun, es gebe keine direkte Empfehlung an die EZB, die Zinsen zu senken. Die Geldpolitik im Euroraum, wo der Leitzins seit Juni 2003 auf einem historischen Tief von 2,00 % liegt, werde als angemessen bezeichnet. „Es wird gesagt, es könnte sich Spielraum ergeben“ für eine weitere Senkung, ergänzte der Delegationsteilnehmer. Er warnte zugleich, von den weltweit historisch niedrigen Zinsen gehe wegen des starken Anstiegs der öffentlichen und privaten Verschuldung ein erhebliches Rückschlagspotenzial für die Weltwirtschaft aus. „Es besteht die Gefahr abrupter Vermögensanpassungen."

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