Nach Investorenpanik
Politik verfällt in Krisenhektik

Chaos auf den Finanzmärkten und Rezessionssorgen haben die Politik alarmiert. Doch statt mit professioneller Gelassenheit zu reagieren, brechen alte Streits auf. Gibt das den Märkten den Rest?
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BerlinDie Schuldenkrise in Europa und wachsende Rezessionsängste für die USA haben in der Politik hektische Betriebsamkeit ausgelöst. China und Japan forderten eine engere weltweite Zusammenarbeit im Kampf gegen die Spannungen, die sich an den Märkten mit massiven Kurseinbrüchen entluden. Über die immer weitere Kreise ziehende Euro-Schuldenkrise will sich Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Freitag mit Kanzlerin Angela Merkel und Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero telefonisch beraten. Das spanische EZB-Direktoriumsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo mahnte, entschlossenes Handeln sei dringend nötig, um die Krise zu lindern.

Am Frankfurter Aktienmarkt sackte der Dax am Freitag zeitweise um über vier Prozent ab. Kaum besser sah es an anderen Börsenplätzen aus. An den Devisenmärkten flohen die Anleger in den Schweizer Franken. Auch der japanische Yen zog trotz der Intervention der Zentralbank wieder an. Am Nachmittag lösten überraschend gute Zahlen vom US-Arbeitsmarkt Erleichterung aus und trieben den Dax kurzfristig sogar ins Plus. Die größte Volkswirtschaft ist in hohem Maße davon abhängig, dass die Bürger Arbeit und damit Geld für den Konsum haben.

In der Europäischen Zentralbank (EZB) flammte der Streit über den Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Schuldenstaaten neu auf, den die Notenbank seit Donnerstag nach einer längeren Pause wieder aufgenommen hat. Dagegen gibt es aber im EZB-Rat offenbar heftige Opposition, angeführt von den beiden deutschen Mitgliedern Bundesbank-Chef Jens Weidmann und EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark, wie Reuters erfuhr. Zwei weitere Ratsmitglieder teilten deren Position, hieß es weiter.

Für die Euro-Länder stellen solche Aufkäufe der EZB eine willkommene Hilfe zur Abdämpfung gefährlicher Renditeanstiege für Krisenländer dar. Die Notenbank kauft Händlern zufolge derzeit portugiesische und irische Bonds, zuletzt gerieten aber vor allem Italien und Spanien unter den Druck der Märkte. Ehe man Bond-Käufe der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Euro-Zone in Erwägung ziehen könne, müssten die Regierungen in Rom und Madrid erst einmal kräftig sparen, sagte Belgiens Notenbankchef Luc Coene. Der Euro-Rettungsschirm EFSF kann derzeit noch nicht mit solchen Kaufaktionen an den Märkten beispringen. Entsprechende Kompetenzen, die ihm der Euro-Gipfel vor kurzem gegeben hat, sind noch nicht in Kraft.

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EU-Kommission beharrt auf größerem Euro-Schirm

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  • Kreisch! So ein Blödsinn. Wir sitzen zwar kräftig in der Patsche und müssen handeln, aber es wird sich eher ein schleichender Crash vollziehen. Wenn wir nicht endlich aufmucken, wird er aber unvermeidbar kommen. Rot-Grün ist noch schlimmer und natürlich keine Alternative, aber Merkel ist mit ihrer deutschlandfeindlichen Anbiederei und Zögerlichkeit nicht mehr tragbar.

  • So ist es wenn Blinde (Politiker) über Farbe (Finanzmärkte) sprechen. Da kann auch nichts dabei herauskommen.
    Viele Spaß ihr "Nichtswissenenden".

  • Die ganze Sache ist medial völlig überzogen. Laßt doch die Börse sacken. Eine Bereinigung ist wie ein Gewitter und stellt wieder die realistischen Verhältnisse her. 90% der Deutschen sind nicht davon betroffen und die, die betroffen sind haben genug Geld das zu verkraften.

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