Nach Krise
Osteuropa braucht länger für die Erholung

Die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise hängt den osteuropäischen Staaten wie ein Klotz am Bein. Das straft alle volkswirtschaftlichen Theorien Lügen. Immerhin wachsen die Länder nahe an Westeuropa mit durchschnittlich 3,6 Prozent.

WIEN. Osteuropa erholt sich nur langsam von der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise aus dem Jahr 2009. "Andere Teile der Welt sind da viel schneller", sagte der Forschungsdirektor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Jeromin Zettelmeyer, am Montag in Wien. Die Länder nahe an Westeuropa wie Polen und Tschechien werden nach Angaben der Osteuropa-Förderbank in diesem Jahr immerhin mit durchschnittlich 3,6 Prozent wachsen.

Langsamer entwickele sich das südöstliche Europa. In einigen Ländern dieser Teilregion setze eine Erholung erst in diesem Jahr ein, 2010 seien die Volkswirtschaften teilweise ein zweites Mal geschrumpft.

Nach den Worten des EBRD-Direktors straft Osteuropa derzeit alle volkswirtschaftlichen Theorien Lügen. "2009 war Osteuropa die Region in der Welt, die die Krise am stärksten getroffen hat", betonte der Forscher. In Slowenien etwa ist die Wirtschaft um acht Prozent geschrumpft, in Rumänien lag das Minus bei sieben Prozent. Danach hätte es 2010 eine kräftige Gegenbewegung geben müssen. "Aber das ist nicht passiert", sagte Zettelmeyer.

Aus Sicht der Experten hat die Krise die Rahmenbedingungen so nachhaltig verändert, dass die Erholung lange dauern wird. Auch die in der Region tätigen Geschäftsbanken teilen diese Einschätzung, weil jetzt weniger Kapital nach Osteuropa kommt. "Die Region darf den vor der Krise scheinbar endlosen Kapitalzufluss nicht mehr als selbstverständlich ansehen", sagte Gillian Edgeworth, Volkswirtin bei Unicredit.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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