Nach Lösegeld-Fund
Osthoff bleibt für Bundesregierung Opfer

Auswärtiges Amt und BKA sprechen Ex-Irak-Geisel Susanne Osthoff inoffiziell vom Vorwurf frei, mit ihren Entführern paktiert zu haben. Zwar stammen die fast 3000 Euro, die nach ihrer Freilassung bei ihr gefunden wurden, offenbar tatsächlich aus dem Lösegeld, stellte aber eine Art Entschädigung für Osthoff dar.

HB BERLIN. Das Magazin „Focus“ hatte am Wochenende berichtet, Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Bagdad hätten nach ihrer Freilassung Geldbündel in ihren Sachen entdeckt, während sie gerade duschte. Anhand des Nummernvergleichs habe sich herausgestellt, dass die Scheine aus der Lösegeldsumme von angeblich fünf Millionen Dollar stammten.

Wie stern.de am Montag berichtet, wurde Osthoff daraufhin von BKA-Beamten zur Herkunft des Geldes befragt. Sie habe geantwortet, ihre Entführer hätten ihr das Geld bei der Freilassung mit der Aussage übergeben, sie wollten sie nicht mittellos gehen lassen. Zudem habe sie von den Kidnappern Geld zurückverlangt, das diese ihr nach der Entführung abgenommen hätten. Dabei habe es sich um 2668 Dollar gehandelt, mit denen Osthoff Handwerkerrechnungen begleichen wollte.

Nach Informationen von stern.de und der „Süddeutschen Zeitung“ werden Mutmaßungen, Osthoff habe mit den Entführern gemeinsame Sache gemacht, von den deutschen Sicherheitsbeamten inoffiziell dementiert. „Für diese Spekulationen haben wir keinerlei Beleg“, zitiert die Zeitung einen Beamten.

Das von Generalbundesanwalt Kay Nehm eingeleitete und von BKA-Spezialisten des BKA betriebene Ermittlungsverfahren wegen der Entführung richte sich weiterhin gegen Unbekannt. „Wir gehen derzeit zumindest fest davon aus, dass Frau Osthoff das Opfer der Entführung war“, sagte ein Sicherheitsbeamter. Auch gebe es keinen Grund, gegen die Archäologin beispielsweise ein Ermittlungsverfahren wegen Vortäuschen einer Straftat einzuleiten. Osthoff habe weder das Geld noch dessen Herkunft versucht geheim zu halten, sagten mit dem Fall betraute Ermittler und Diplomaten stern.de.

Bislang gehe man, so heißt es im Auswärtigen Amt, davon aus, dass sie den ihr entwendeten und dann zurückgegebenen Betrag wie ursprünglich vorgesehen verwenden werde, um im Irak Handwerker zu bezahlen. Dass sich das Auswärtige Amt offiziell nicht äußert, liegt, so stern.de, daran, dass es sich schlecht zu Details eines Lösegeldes äußern kann, das offiziell nie gezahlt wurde. Intern bewertete ein Diplomat die Verdachtsvorwürfe als „ehrabschneidend“.

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