Nach Massenpanik
Indische Beamte suspendiert

115 Menschen kamen bei der Massenpanik in Indien auf einer Brücke ums Leben. Einige hatten versucht, sich an den Kleidern der Leichen von der Brücke abzuseilen. Die Regierung greift jetzt gegen Verantwortliche durch.
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BhopalNach der Massenpanik vor einem Hindu-Tempel mit mehr als hundert Toten sind in Indien 21 Polizisten und Beamte vom Dienst suspendiert worden. Unter ihnen sind nach Behördenangaben vom Dienstag alle 17 Polizisten der zuständigen Polizeiwache in der Ortschaft Ratangarh, wo sich das Unglück am Wochenende zugetragen hatte. Ermittlungen sollen nun ans Licht bringen, wie die Massenpanik entstehen konnte und wer Schuld daran trägt. Der Polizei wird vorgeworfen, die Unglücksdynamik durch Niederknüppeln von Gläubigen mit Schlagstöcken noch verschlimmert zu haben.

Das Drama hatte sich am Sonntag zum Abschluss des religiösen Navaratri-Festes im Bezirk Datia des zentralen Bundesstaats Madhya Pradesh ereignet. Dort befanden sich etwa 20.000 Menschen auf einer Brücke vor dem Tempel, die den reißenden Fluss Singh überspannt. Nach Polizeiangaben entstand die Panik durch ein Gerücht, dass die Brücke einzustürzen drohe. Mindestens 115 Menschen seien ertrunken oder erstickt, mehr als hundert weitere verletzt worden.

Augenzeugen schilderten später verzweifelte Rettungsversuche. „Menschen sprangen in den Fluss, konnten aber nicht gegen die Strömung anschwimmen. Ich sah, wie Kinder ins Wasser geworfen wurden, nur um fortgespült zu werden”, sagte der Überlebende Manoj Sharma der Zeitung „Times of India”. Der Obstverkäufer Man Singh sagte AFP, dass einige der späteren Opfer Stricke aus den Kleidern der Leichen machten, um sich von der Brücke abzuseilen. „Aber auch sie sind ertrunken, weil die Strömung zu stark war.”

Nicht nur von Angehörigen, auch aus der Politik kam massive Kritik an den Behörden. „Wenn es eine angemessene Präsenz von Polizei, Verwaltung und medizinischem Personal vor dem Tempel gegeben hätte, hätten Menschenleben gerettet werden können”, sagte der Chef der Kongress-Partei in Madhya Pradesh, Kantilal Bhuria.

In Indien ereignen sich bei religiösen Festen wegen der Vielzahl an Pilgern immer wieder schwere Unfälle und Paniken mit Toten und Verletzten. Schon vor sieben Jahren war es vor demselben Tempel in Ratangarh zu einer Massenpanik mit 50 Toten gekommen. 2008 gab es 224 Tote bei einem ähnlichen Unglück vor einem Hindu-Tempel in der westlichen Stadt Jodhpur. Und auch im Januar 2011 kamen im Bundesstaat Kerala wieder mehr als hundert Hindus bei einer Massenpanik ums Leben.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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