Nach Militärputsch in Simbabwe
Mugabes „Krokodil“ greift nach der Macht

Simbabwes Präsident Mugabe wurde Jahrzehnte von Mnangagwa an der Macht gehalten. Dann wurde sein Gehilfe zum Rivalen und Mugabe wollte seine Frau als Nachfolgerin einsetzen. Doch Mnangagwa mobilisierte alte Freunde.
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JohannesburgGeschasst von seinem langjährigen Chef und Mentor Robert Mugabe hat Emmerson Mnangagwa innerhalb weniger Tage ein bemerkenswertes Comeback hingelegt: Der wohl 75-Jährige wurde zunächst als Vizepräsident gefeuert, aber am Sonntag anstelle Mugabes zum Chef der Regierungspartei Zanu-PF gewählt. Das machtpolitische Rüstzeug dafür hat er von Mugabe gelernt. Der dürfte sich mit 93 Jahren bei seinem Versuch verrechnet haben, seiner Frau Grace Mugabe den Weg zu seiner Nachfolge zu ebnen.

Mnangagwa war seit dem Unabhängigkeitskampf in den 1970er Jahren treuer Gefolgsmann Mugabes, zu dessen persönlichen Assistenten er 1977 auf einem Parteitag der nach chinesischem Vorbild marxistisch orientierten Afrikanischen Nationalunion Simbabwes gewählt wurde – die damals noch nur Zanu hieß – ohne PF für Patriotische Front. Als es in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit 1980 darum ging, die Anhänger von Mugabes Konkurrenten Joshua Nkomo auszuschalten, war der Mann mit dem Spitznamen „Krokodil“ Mugabes Wahl.

Mnangagwa soll 1983 die berüchtigte, in Nordkorea ausgebildete „Fünfte Brigade“ ins Matabeleland geschickt haben. Massakern dort fielen Tausende, geschätzt zwischen 10.0000 und 20.000 Menschen zum Opfer. Mnangagwa bestreitet, dafür verantwortlich zu sein.

Aber als Mugabes Mann für Grobe erwarb er sich in all den Jahren den Ruf, gerissen, skrupellos und effektiv zu sein. Im Volk ist Mnangagwa - dessen Truppe wegen seines Spitznamens „Team Lacoste“ genannt wird - mehr gefürchtet als Mugabe. Denn gut vier Jahrzehnte galt: Der Chef befiehlt, sein loyaler Diener führt aus. Gründlich.

Diese spezielle Männerfreundschaft ging über die Ambitionen von Mugabes Frau Grace in die Brüche, Nachfolgerin des greisen Staats- und Parteichefs werden zu wollen. Am 6. November feuerte der 93-Jährige seinen Mann fürs Grobe als Vizepräsident. In einer wochenlangen Kampagne hatten Robert und Grace Mugabe Mnangagwa dämonisiert. Der hielt äußerlich still und mobilisierte die alte Garde der Unabhängigkeitskämpfer für sich. Wenige Tage nach seiner Entlassung stellte das Militär das Präsidentenpaar unter Hausarrest.

Der simbabwische Politthriller bekam eine zusätzliche Handlungsebene: Die alte Garde aus dem Unabhängigkeitskampf gegen die jungen Profiteure und Günstlinge in Mugabes korruptem Umfeld – angeführt von einer Frau, die trotz der Armut vieler Simbabwer ihre Vorliebe für Luxus gerne zur Schau stellt.

Mnangagwa ging außer Landes und kam so einer Verhaftung zuvor. Am 8. November veröffentlichte er eine Erklärung, in der er sich zum Retter der Nation stilisierte: „Lasst uns unsere Differenzen begraben und ein neues und blühendes Simbabwe bauen, ein Land, das abweichende Meinungen toleriert, ein Land, das die Meinungen anderer respektiert, ein Land, das sich nicht selbst vom Rest der Welt isoliert, weil ein dickköpfiges Individuum glaubt, es sei berechtigt, das Land bis zu seinem Tod zu regieren.“ Seit seiner Flucht wurde Mnangagwa nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen; mittlerweile wird vermutet, dass er wieder in Simbabwe ist.

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Mnangagwa als weiterer Plünderer des Landes

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