Nach Minarett-Verbot
Türkei ruft zum Boykott Schweizer Banken auf

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan wertet den Schweizer Volksentscheid gegen den Bau neuer Minarette als Zeichen „einer zunehmenden rassistischen und faschistischen Haltung in Europa“. Die darin zum Ausdruck kommende Islamphobie sei ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Sein Europaminister fordert drastische Konsequenzen.
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HB ISTANBUL. Aus Protest gegen das Schweizer Bauverbot für Minarette hat die Türkei Muslime aufgerufen, ihr Geld aus dem Land abzuziehen. Der türkische Bankensektor sei für Geldanlagen offen und zudem von der weltweiten Finanzkrise nicht stark betroffen, zitierten türkische Zeitungen am Mittwoch Europaminister Egemen Bagis weiter. „Ich bin sicher, dass unsere muslimischen Brüder, die Geld auf Schweizer Banken haben, ihre Entscheidung überdenken werden.“

Die Türkei hatte das Bauverbot, das am Sonntag durch eine Volksabstimmung beschlossen wurde, am bereits zuvor scharf kritisiert. Staatspräsident Abdullah Gül sprach von einer Schande für die Schweiz und Beispiel für Feindseligkeit gegenüber Muslimen in der westlichen Welt. Die Türkei erwarte, dass die Schweiz diese Entscheidung, die im Gegensatz zu den Traditionen des Landes stehe, korrigiere.

Die Schweizer hatten der Forderung nach einem Bauverbot für Minarette von zwei rechtspopulistischen Parteien am Sonntag mit mehr als 57 Prozent zugestimmt. Der Ausgang des Referendums hatte international Besorgnis und Empörung ausgelöst, während rechtsgerichtete Parteien in Europa die Abstimmung begrüßten

In einigen türkischen Medien wird auch über „Vergeltungsmaßnahmen“ wie den Ausschluss von Schweizer Unternehmen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und einen Boykott Schweizer Produkte diskutiert. Der Volksentscheid werde „ernste Konsequenzen für die Schweizer Wirtschaft“ haben, warnte die Zeitung „Haber Türk“. Der bilaterale Handel belief sich 2008 auf 2,2 Mrd. Euro, wovon mehr als zwei Drittel auf Schweizer Ausfuhren in die Türkei entfielen. Die Türken beziehen von den Eidgenossen vor allem Arzneimittel, chemische Produkte, Maschinen und Textilien. In der Türkei gibt es rund 400 Firmen mit Schweizer Kapitalbeteiligung.

Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtet von ersten Boykottaufrufen gegen Schweizer Waren im Internet. Im Visier hätten erzürnte Muslime bisher vor allem Produkte bekannter Marken wie Swatch, Omega, Rolex, Lindt & Sprüngli oder Nestlé.

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  • @ backermeister bullerjahn (54)
    Gestern in der Phoenix-Runde saßen Armin Laschet), Hans Christian Ströbele und Ayyub Axel Köhler.
    Es war nicht auszuhalten, aber sehen Sie selbst, wenn Sie nichts anderes zu tun haben. ;-)
    Hier: http://www.phoenix.de/sixcms/detail.php?id=277388&template=d_ph_videostream_popup&format=4&transfer=2

    „Für mich sind in einer Zeit, in der 1 Mrd. Menschen hungern die Probleme, ob Minarette gebaut werden dürfen, keine weltbewegenden Probleme.“

    Das ist ein Problem, das zum größten Teil über eine vernünftige Entwicklungshilfe gelöst werden könnte. So furchtbar es auch klingen mag, die „reichen“ Staaten dieser Erde sollten damit aufhören diesen Menschen Lebensmittel zu liefern, sondern sie durch Anleitung zur Selbsthilfe bzw. zur bewirtschaftung ihrer böden anleiten. Das bedingt aber, daß es die helfenden Staaten über diesen Weg unterlassen, diesen Menschen ihre Lebens- und Wirtschaftskonzepte aufzudrängen oder sie in den weltweiten Konkurrenzkampf einzubinden. Diese Gesellschaften sind anders strukturiert du funktionieren zum großen Teil deshalb nicht mehr, weil „wir“ uns dort in unzulässiger Weise eingemischt haben. Ob sie sich im Laufe der nächsten Jahrzehnte in Richtung westlicher Wirtschaft entwickeln (wollen), muß diesen Menschen überlassen bleiben.

  • @ Yahel

    Zu einem völlig anderen Theme empfehle ich
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,664960,00.html

    Vielleicht hilft das ihnen aus der freuchtlosen Debatte mi @ Menschenrechtler
    rauszukommen.
    Für mich sind in einer Zeit, in der 1 Mrd. Menschen hungern die Probleme, ob Minarette gebaut werden dürfen, keine weltbewegenden Probleme.

  • @ Ayhan

    Wenn sie den Unterschied zwischen Demokraten und Türkischen Faschisten nicht begriffen haben, leben sie sicher in Deutschland in ihrer eigenen abgeschotteten Welt wo das Minarett das Mass aller Dinge ist. Wenn alle Faschisten für sie sind sollten sie ihre sieben Sachen packen und vielleicht nach israel umziehen. Wenn Religion zur Waffe wird ist es keine Religion sondern Steigbügel
    für Terroristen die ihr perverses Spiel anderen aufdiktieren wollen. Ein Gott ist nicht gewalttätig
    ihn mit Mord und Totschlag zu besudeln ist Gotteslästerung der schlimmsten Art. Wer an Gott fest glaubt braucht keine Waffen der Glaube ist Waffe und Schutz genug. Leider ist von den Fanatischen Glaubenskrieger keiner Gläubig sie schieben Gott vorran um Menschen zu ködern und zu manipulieren.

    könnte

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