Nach neuen Anschlagsversuchen
In der Londoner U-Bahn grassiert die Angst

Misstrauische Blicke auf Mitmenschen und Rucksäcke, hastige Schritte auf Rolltreppen, Nervosität bei jeder Minute Verspätung - in der Londoner U-Bahn geht nach der Detonation neuer Sprengsätze die Angst um. Die englische "Coolness" weicht wachsender Ratlosigkeit.

HB LONDON. „Alle sagen schon: Du schaust ja argwöhnisch auf jeden. Aber was soll man machen“, sagt der 37 Jahre alte John am Freitag. „Ich habe mich damit abgefunden, dass es wieder passieren kann.“ War das Pendeln einst lästige und langweilige Routine, ist es nun zum täglichen Nervenkrieg geworden. John hat am Morgen in seinem U-Bahn-Waggon 13 große Taschen gezählt. In jeder davon hätte eine Bombe sein können.

Die 29-jährige Cairita Wogan kennt dieses Verhalten. „Ich bin nicht so nervös, aber wachsamer in der U-Bahn. Ich schaue nach Gepäck, das herumsteht. Die Menschen scheinen allgemein ängstlicher zu sein“, sagt die Mitarbeiterin einer Bank.

Die nach den Anschlägen vor mehr als zwei Wochen angespannte Situation verschärfte sich am Donnerstag zusätzlich, als in drei U-Bahnen und einem Bus erneut Sprengsätze detonierten. Allerdings wurde diesmal lediglich ein Mensch verletzt. Bei den Anschlägen vom 7. Juli starben 56 Menschen, hunderte wurden verletzt. Die mutmaßlichen Täter sollen ihre Bomben in Rucksäcken transportiert haben.

„Ich nutze die U-Bahn inzwischen sehr ungern. Ich fahre lieber Bus, da fühle ich mich sicherer - obwohl es dort natürlich genau so gut Anschläge geben kann“, sagt der 39-jährige Jacqui Shute. „Ich denke, wachsam sein ist das Beste, was wir tun können.“

Am Freitag erschoss die britische Polizei einen Verdächtigen in einer U-Bahn-Station. Ersten Medienberichten zufolge war es einer der Täter vom Vortag. Erneut wurden U-Bahn-Linien gesperrt. Eine wegen einer Bahnverspätung an der Station Oxford Circus wartende Frau sagte: „Mir gefällt das alles nicht.“

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