Nach Niederlage von Regierungspartei
Simbabwe zählt Stimmen neu aus

Drei Wochen nach der umstrittenen Parlaments- und Präsidentenwahl in Simbabwe hat am Wochenende die teilweise Neuauszählung der Stimmen begonnen. Derweil nimmt international die Angst zu, das Land könne vollends in die Gewalt abgleiten.

HB HARARE. In 23 der insgesamt 210 Wahlbezirke leiteten die Behörden am Samstag trotz des erbitterten Protests der Opposition die Überprüfung der Ergebnisse ein. In 16 davon hatte die Regierungspartei Zanu-PF des autokratischen Staatschefs Robert Mugabe bei der Parlamentswahl verloren. Um ihre Mehrheit doch noch zu behaupten, fehlen ihr nur neun Mandate. Dem bisherigen offiziellen Ergebnis zufolge hatte die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) unter Führung von Morgan Tsvangirai die Parlamentswahl gewonnen. Das Regierungslager machte jedoch Unregelmäßigkeiten geltend. Für die zeitgleich am 29. März abgehaltene Präsidentenwahl liegen noch immer keine Zahlen vor. Die MDC geht davon aus, dass sich ihr Kandidat Tsvangirai dabei bereits im ersten Durchgang gegen Mugabe durchgesetzt hat. Die Regierung bereitet die Bevölkerung dagegen auf eine Stichwahl vor.

Die MDC hatte vor dem Obersten Gericht vergeblich versucht, die Neuauszählung zu stoppen. Sie werde das Ergebnis nicht anerkennen, weil es gefälscht sei, sagte ein Parteisprecher. Ein Vertreter der Wahlkommission kündigte am Sonntag an, die Neuauszählung werde möglicherweise länger als die zunächst geplanten drei Tage dauern. Tsvangirai, der sich derzeit im Ausland aufhält, äußerte in einem Interview die Sorge, im Fall seiner Rückkehr nach Harare verhaftet zu werden. Deshalb werde er zunächst weiter außerhalb Simbabwes um Unterstützung werben.

Nach Angaben eines MDC-Sprechers haben Zanu-PF-Anhänger bei politischen Gewalttaten seit der Wahl zehn Mitglieder der Oppositionspartei getötet. Die Polizei bestätigte einen der Todesfälle und erklärte, die Umstände würden noch untersucht. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete, in Geheimgefängnissen der Zanu-PF würden Oppositionspolitiker und einfache Bürger gefoltert und eingeschüchtert.

International wächst die Sorge, dass die frühere britische Kolonie wegen der politischen Hängepartie gänzlich in Gewalt abgleiten könnte. Die Afrikanische Union rief die Behörden am Sonntag auf, die Wahlergebnisse umgehend zu veröffentlichen, um die Spannungen abzubauen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte an, die Situation in Simbabwe bei einer am Sonntag beginnenden Handels- und Entwicklungskonferenz in Ghana gegenüber führenden afrikanischen Politikern anzusprechen.

Südafrika bestätigte unterdessen, dass China trotz der Spannungen Waffen an die Regierung in Harare zu liefern versucht. Ein Gericht verbot jedoch den Transport der Waffen von einem Containerschiff mit dem ursprünglichen Zielhafen Durban über südafrikanisches Gebiet. Daraufhin steuerte der Transport Angola an, wie die Regierung Mosambiks am Samstag mitteilte. Simbabwe selbst hat keinen Zugang zum Meer.

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