Nach PKK-Angriff
Türkei fliegt Luftangriff im Nordirak

Der Konflikt zwischen Türken und Kurden hat erneut zu Gewalt auf beiden Seiten geführt. Der türkische Regierungschef hatte erst kurz zuvor eine Verschärfung der Reaktionen auf die PKK angekündigt. Schon gibt es Tote.
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Ankara/IstanbulAls Reaktion auf den Tod von neun Mitgliedern der türkischen Sicherheitskräfte bei einem PKK-Angriff hat die türkische Luftwaffe einem Medienbericht zufolge Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans im Irak angegriffen. An den Luftschlägen am Mittwochabend seien 13 türkische Kampfflieger beteiligt gewesen, berichtete die pro-kurdische Nachrichtenagentur Firat unter Berufung auf PKK-Kämpfer in der Region.

Es seien mindestens fünf Ziele in der Bergregion im Norden Iraks angegriffen worden, in der die PKK mehrere Lager eingerichtet hat. Angaben über mögliche Verletzte oder Tote machte die Agentur nicht.

Die PKK hatte am Mittwochmorgen in der Provinz Hakkari im äußersten Südosten der Türkei einen Militärkonvoi mit der Zündung einer Panzermine gestoppt und das Feuer eröffnet. Dabei wurden elf türkische Soldaten und ein so genannter Dorfschützer getötet. Die Angreifer aus den Reihen der PKK hätten mehreren Minen gelegt und den Konvoi nach den Explosionen beschossen, teilten türkische Behörden mit.

Kurz zuvor hatte Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bei einem Essen mit Angehörigen getöteter Soldaten angekündigt, nach dem Ende des Fastenmonats Ramadan wolle er andere Saiten im Umgang mit der PKK aufziehen. Mitte Juli hatte die PKK beim schwersten Rebellenangriff seit drei Jahren 13 Soldaten getötet. Am vergangenen Wochenende wurden wieder drei Soldaten erschossen.

Im Februar hatte die PKK eine einseitig ausgerufene Waffenruhe aufgekündigt. Die Forderung nach einer Beteiligung ihres inhaftierten Chefs Abdullah Öcalan an Verhandlungen hat Ankara mehrfach abgelehnt. Von der „kurdischen Öffnung“, mit der Erdogans Regierung der Volksgruppe mehr demokratische Rechte versprochen hat, ist kaum noch die Rede.

AKP-Politiker beschreiben die Kurdenfrage jetzt als wirtschaftliches Problem, das mit Arbeitsplätzen und Wohlstand zu lösen sei. Seit einigen Wochen wird in der Öffentlichkeit auch wieder mehr über Einsatzpläne, Sondereinheiten und spezielles Kampftraining für Polizeikräfte gesprochen. Einige Hoffnung setzt Ankara auch auf eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Iran.

Berichte über eine Festnahme des faktischen Anführers der PKK, Murat Karayilan, durch iranische Revolutionsgarden ließen Ankara am Wochenende aufhorchen, stellten sich aber bald darauf als falsch heraus. Die von Erdogan versprochene politische Lösung scheint in weite Ferne gerückt. In einem Streit um die Inhaftierung von Abgeordneten boykottiert die Kurdenpartei BDP das neu gewählte Parlament. Erdogans Gesprächsbereitschaft ist nach den neuen Angriffen noch geringer geworden. „Von jetzt an keine Worte mehr, Taten“, sagte er am Mittwoch.

Die PKK wird von der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Die Arbeiterpartei Kurdistans kämpft seit 1984 gegen den türkischen Staat. Seitdem starben bei dem Konflikt mehrere zehntausend Menschen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Gegen die PKK-Terroristen muss mit der grösstmöglichsten Härte vorgegangen werden. Die Terroristen müssen wissen dass sie so nicht durchkommen. Ferner sind durch die TR massenweise Drohnen einzusetzen um die Terroristen unter ständigem psychologischem Druck zu halten. Unter psychologischem Stress begehen sie irgend wann Fehler und können so mit Drohnen effizient bekämpft werden.

  • Isländer Sie sind Krank im Kopf, die deutsche Luftwaffe soll Ziele in der Türkei Bombadieren...selten so gut gelacht. Sie können sich doch wohl ausmalen was in den deutschen Städten loss sein würde...mehr sage ich dazu nicht.
    Istanbul wird ein freie Stadt, Izmir gehört Griechenland, Ost-Türkei gehört Armenien und der Suedösten der Türkei gehört dann den Kurden.

    Und Antalya gehört dem Vierten Deutschen Reich als Erholungsstätte für Ihre Mörderkolonnen.

  • Die Kurden haben nicht das Selbstverständnis eines Volkes, diese bestehen aus den verschiedenen Stämmen und den fehlt das Verständnis das alle Stämme das Kurdische Volk bilden.

    Solange das der Fall ist wird es kein „Kurdistan“ geben. Die Kurdischen Stämme lassen sich immer wieder durch Versprechungen der Nachbarländer ködern. Denken wir doch an Atatürk solange seine Macht in Gefahr war und die Umsetzung des Vertrages von Sevres drohte.

    Vertrag von Sevres: Konstantinopel/Istanbul wird eine freie Stadt mit einen Sicherheitsgürtel, der Europäische Teil der Türkei und die griechische Stadt Izmir und die Umgebung erhält Griechenland. (West)Armenien erhält seine Unabhängigkeit von der Türkei die durch den Völkermord/Holocaust der Türken entvölkert wurde und schließt sich mit (Ost) Armenien zusammen. Die Kurden sollten die Unabhängigkeit evtl. erhalten wenn das die Mehrheit der Stämme wünschte.

    Atatürk köderte die Kurdischen Stämme mit der Formulierung der „zwei Völker in einen Staat“ nach der Konsolidierung seines Regime war von dieser Formulierung nichts mehr zu hören.

    Die Frage lautete vielmehr:

    Welche Kurden? Es sind Bergtürken!

    Dabei ist es mit Verwunderung zu sehen daß die Türkische Luftwaffe Ziele im Irak angreifen!

    Dann kann die Luftwaffe doch einfach ein paar Ziele in der Türkei bombardieren.


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