Nach Protesten
Iran lässt 140 Demonstranten frei

Die iranische Führung geht nun doch einen Schritt auf die Oppositionsbewegung zu. Die Behörden haben am Dienstag 140 Regierungsgegner freigelassen, die bei den Demonstrationen im Anschluss an die umstrittene Präsidentschaftswahl verhaftet worde waren.

HB TEHERAN. Die Entscheidung folgte dem Besuch einer Parlamentariergruppe im Teheraner Gefängnis Evin, wie die halbamtliche Nachrichtenagentur ISNA meldete. Ein Sprecher der Gruppe sagte, 150 Demonstranten blieben weiter in Haft.

Zuvor hatte das geistliche Oberhaupt des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, versprochen, dass die Fälle von mehreren hundert Demonstranten überprüft werden sollten. Chamenei ordnete auch die Schließung des berüchtigten Gefängnisses Kahrisak an. Dort gebe es nicht die "notwendigen Standards, um die Rechte der Insassen zu garantieren", sagte am Dienstag ein Mitglied der Parlamentariergruppe, Kasem Dschalali. Nach Berichten von Menschenrechtsgruppen starben in dem Gefängnis mindestens drei Häftlinge. Unter ihnen soll nach Angaben der Opposition auch der Sohn des konservativen Politikers Abdolhossein Ruhalamini sein, der am 9. Juli wegen seiner Teilnahme an den Protesten festgenommen wurde.

Oppositionsführer Mir Hossein Mussawi hatte am Montag in einer Rede die Festnahmen und Todesfälle im Gefängnis als Katastrophe bezeichnet. Er deutete an, dass die Misshandlungen schlimmer seien als unter dem Schah. Die Opposition klagt seit Wochen darüber, dass viele Festgenommenen in Geheimgefängnissen festgehalten würden, keinen Kontakt zu ihren Familien hätten und gefoltert würden.

Nach offiziellen Angaben wurden bei den Protesten insgesamt rund 1000 Menschen verhaftet, von denen noch rund 300 in Haft sind. Mindestens 20 Menschen kamen bei den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften nach offiziellen Angaben ums Leben.

Der Chef des iranischen Justizwesens, Ajatollah Mahmud Haschemi-Shahrudi, hatte am Vortag von einer Kommission eine genaue Überprüfung der Haftumstände gefordert. Zudem ordnete er an, dass Inhaftierte, gegen die nichts Schwerwiegendes vorliege, innerhalb einer Woche gegen Kaution freikommen sollten.

Beobachter wertete die Schließung des Gefängnisses sowie die Anweisungen des Justiz-Chefs als Erfolg für die Opposition um den bei der Präsidentenwahl unterlegenen Kandidaten und Oppositionsführer Mir Hussein Mussawi.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%