Nach Protesten
Mülldeponie bei Neapel geht nicht in Betrieb

Nach wochenlangen Protesten der Bevölkerung wird die umstrittene Mülldeponie bei Neapel nicht in Betrieb genommen - vorerst. Die italienische Regierung verschob die Eröffnung. Doch die Unruhen gehen weiter.
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HB NEAPEL. Nach wochenlangen Protesten der Bevölkerung wird die umstrittene Mülldeponie bei Neapel vorerst nicht in Betrieb genommen. Die italienische Regierung verschob die Eröffnung der Anlage am späten Samstagabend. Man wolle nun erst optimale Bedingungen für Umwelt und Gesundheit ausloten, hieß es zur Begründung. Der von Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach Neapel entsandte Chef der zuständigen Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso, machte ein sofortiges Ende der Proteste zur Bedingung für den Aufschub. In der Nacht zum Sonntag kam es indes zu neuen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Terzigno am Fuße des Vesuv, wo sich die Anlage befindet. Die Bürgermeister umliegender Städte lehnten am Sonntag eine Einigung mit der Regierung ab.

Nach dem Aufschub soll bis auf weiteres die bestehende Mülldeponie in Terzigno verwendet werden. Wenn dort kein Platz mehr ist, soll der Müll in einer benachbarten Verbrennungsanlage entsorgt und auf andere Müllkippen verteilt werden.

Doch die Bürgermeister der Städte nahe der geplanten Mülldeponie verweigerten am Sonntag eine Einigung mit der Regierung. „Unsere Bürger wollten mehr Garantien“, sagte Gennaro Langella, Bürgermeister von Boscoreale, nach Gesprächen mit Zivilschutzchef Bertolaso. Die habe es nicht gegeben, also würden die Bürgermeister die Vereinbarung mit der Regierung nicht unterschreiben. Ein neue Treffen der Bürgermeister mit dem Vertreter aus Rom ist für Dienstag angesetzt.

In Neapel und den umliegenden Orten stapelt sich der Müll bereits in den Straßen zu stinkenden Türmen. Berlusconi hatte umgehendes Handeln versprochen. Die Müllentsorgung in der drittgrößten Stadt Italiens ist geprägt von politischem Opportunismus, Korruption und dem Einfluss der organisierten Kriminalität. Bislang ist jede Regierung an einer Lösung gescheitert. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik erklärte am Samstag, er sei sehr beunruhigt über die Situation in Neapel.

Die Maßnahmen, die die Regierung seit der schweren Müllkrise im Jahr 2007 ergriffen habe, seien offenbar nicht ausreichend. Bei den jüngsten Zusammenstößen in Terzigno wurden der Polizei sechs Menschen verletzt, zwei Demonstranten wurden festgenommen.

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