Nach Räumung von Protestlager
Opposition in Minsk gibt noch nicht auf

Die weißrussische Opposition hat nach der gewaltsamen Räumung des Protestlagers in Minsk zu einer neuen Großkundgebung gegen Staatschef Alexander Lukaschenko an diesem Samstag aufgerufen. Unterdessen haben EU und USA ihre Gangart gegen die autoritäre Führung des Landes verschärft.

HB MINSK/BRÜSSEL/WARSCHAU. Nachdem die Wahlen von Einschränkungen und Verletzung internationaler Standards geprägt gewesen seien, würden die USA Reisebeschränkungen und finanzielle Sanktionen gegen die Regierung Lukaschenko verfügen, erklärte am Freitag das Weiße Hauses. Auch die EU-Staats- und Regierungschefs schlossen bei ihrem Frühjahrsgipfel in Brüssel Strafmaßnahmen gegen Minsk nicht aus.

Der bei der Präsidentenwahl in Weißrussland vor einer Woche unterlegene Herausforderer Alexander Milinkewitsch erklärte: „Die Staatsmacht hält den Herausforderungen der Demokratie nicht stand. Das ist der Anfang von ihrem Ende.“ Ungeachtet neuer Drohungen des Staatsapparates forderte Milinkewitsch alle Unzufriedenen im Land auf, sich an der Kundgebung am Samstagmittag im Zentrum der Hauptstadt zu beteiligen.

Mehrere hundert maskierte Polizisten waren am frühen Freitagmorgen mit Schlagstöcken auf den Oktoberplatz gestürmt und hatten die seit vier Nächten in ihren Zelten ausharrenden Regimegegner festgenommen. Die Lukaschenko-Kritiker wurden in ein Untersuchungsgefängnis gebracht. „Wir haben sie alle verhaftet. Die Revolution ist vorbei“, sagte der Polizeichef von Minsk, Juri Podobed. Über die Zahl der Inhaftierten gab es unterschiedliche Angaben. Die Stadtverwaltung sprach von 100, Menschenrechtsgruppen von etwa 300 „verschwundenen“ Oppositionellen. Die staatlichen Hochschulen kündigten an, alle am Protest beteiligten Studenten zu bestrafen.

Vor dem zentralen Untersuchungsgefängnis im Südwesten von Minsk warteten besorgte Eltern und Angehörige im Tagesverlauf auf eine Nachricht von den Inhaftierten. Auch Oppositionsführer Milinkewitsch forderte von der Polizei Auskunft über den Verbleib seines Sohnes Igor. Zahlreiche Oppositionsanhänger wurden am Freitag dem Haftrichter vorgeführt.

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