Nach Referendum in Griechenland
Italien drängt auf schnelle Lösung

Verhandeln oder nicht? Das ist die Frage der Stunde. Das ebenfalls hoch verschuldete Italien schaut mit Sorge auf das Griechenland-Drama. Viel häufiger als in anderen EU-Ländern ist das Wort „Solidarität“ zu hören.
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RomItalien hat nach dem griechischen Referendum zu neuen Verhandlungen mit dem Euro-Krisenland aufgerufen. „Wenn wir Gefangene von Regelungen und Bürokratie bleiben, ist Europa am Ende“, schrieb Ministerpräsident Matteo Renzi am Montag auf Facebook. Das Gipfeltreffen der Euro-Länder am Dienstag in Brüssel müsse einen endgültigen Weg aufzeigen, um den sozialen und wirtschaftlichen Notstand in Griechenland zu beenden. Sein Land werde dazu seinen Beitrag leisten. Italien ist selbst hoch verschuldet und einer der Hauptgläubiger Griechenlands.

Renzi beriet am Montag mit Finanzminister Pier Carlo Padoan über das weitere Vorgehen der Regierung. In Medienberichten hieß es, Renzi könne eine Vermittlerrolle zwischen dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras und Bundeskanzlerin Angela Merkel einnehmen. Renzi wolle zunächst das Treffen zwischen Merkel und dem französischen Präsidenten François Hollande am Montagabend abwarten.

Staatspräsident Sergio Mattarella rief zu Verantwortungsbewusstsein und Solidarität auf. „Die griechischen Bürger haben mit dem Referendum eine Entscheidung gefasst, die respektiert werden muss“, erklärte er. Dies bedeute für die EU bisher „unbekannte Szenarien“. „Griechenland ist Teil Europas und gegenüber seinem Volk darf nicht die Solidarität der anderen Mitglieder der Union wegfallen.“

Italien hat erst vor kurzem die schlimmste Rezession der Nachkriegszeit hinter sich gelassen. Renzi hat zwar Reformen angestoßen, die Wirtschaft zieht aber dennoch nicht richtig an. Zudem bekommt der Regierungschef Gegenwind auch innerhalb seiner Partei.

Rechtspopulisten und eurokritische Parteien hatten bei den Regionalwahlen Ende Mai zudem Boden gutgemacht. Sie bejubelten nun das Nein der Griechen. Der Chef der populistischen Fünf-Sterne-Bewegung, Beppe Grillo, forderte ein Referendum über den Euro in Italien.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Kein Wunder, dass die Italiener [und nicht etwa die Balten oder Slowaken] jetzt zu den Ersten gehören, die nach einer "schnellen Lösung" im Griechendrama rufen, gelten sie doch auch als "mediterrane Schlawiner", die es seit Jahrzehnten weder mit der Disziplin, noch gar mit internen Reformen ihrer teilweise verkruteten Wirtschaft und Staatswesen wirklich ernst nehmen. Als solche sitzen sie doch selbst im Glashaus. Hoffentlich erkennen sie rechtzeitig, dass noch ein Kandidat wie Hellas die Währungsunion endgültig zerreißen würde.

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